Von Ulrich Schiller

Washington, im August

Und jetzt bitte noch eine Serie von Sprüngen!" verlangt einer der Photographen. Senator Bob Packwood, Republikaner aus Oregon, und der demokratische Abgeordnete Dan Rostenkowski aus Illinois sollten in die Luft hüpfen vor Freude. Zwar hatten beide den Photographen der Nachrichtenmagazine Time und Newsweek für die nächste Ausgabe eine "Siegerpose" Hand in Hand versprochen, aber am Freitagmorgen nach durchwachter Nacht auch noch Luftsprünge aufzuführen, das war denn doch zuviel. Der klotzige Rostenkowski stapfte wütend vom Rasen neben dem Capitol und schimpfte: "Glauben die denn, wir machen Toyota-Werbung?"

Die Siegerpose wäre ohnehin verfrüht gewesen. Erst am Sonnabend, kurz vor Mitternacht, konnten die Matadore der weitreichenden Steuerreform zum Sektglas greifen: Dan Rostenkowski, Vorsitzender des Bewilligungsausschusses im Repräsentantenhaus, und Bob Packwood, Vorsitzender des Senatsfinanzausschusses, hatten den Vermittlungsausschuß der beiden Kammern des amerikanischen Kongresses schließlich doch in letzter Minute vor Beginn der Parlamentsferien in einen "historischen Kompromiß" beim Ringen um die Revolutionierung des amerikanischen Steuersystems gesteuert. Alle waren am Rande der Erschöpfung.

Markstein und Wendepunkt