Nur langsame Fortschritte für Präsidentin Aquino

Von Thomas Hanke

Der Sturz der Marcos-Diktatur, den die Filipinos euphorisch als Revolution feierten, ist ein halbes Jahr her – und erst jetzt gewinnen die wirtschaftlichen und sozialen Kämpfe an Schärfe. Zugespitzt geht es um die Frage: Kommt es tatsächlich zu einem Bruch mit der bisherigen Cliquenwirtschaft, mit Schiebung und Bestechung? Oder bleiben die Februar-Ereignisse nur eine Episode, auf die keine tiefergehenden Veränderungen folgen?

Präsidentin Corazon Aquino verficht ihr Projekt der nationalen Versöhnung, das begrenzte Sozialreformen mit erweitertem Spielraum für den privaten Wirtschaftssektor verbindet. Doch die Führungsschicht der einheimischen Unternehmer und das ausländische Big Business haben sich bislang noch nicht dazu durchgerungen, der verbalen Unterstützung ihrer Politik nun auch Taten folgen zu lassen.

Es wird weniger investiert, und – was schlimmer ist – die Ausländer ziehen sich zurück: Ihre Beteiligungen an philippinischen Gesellschaften sanken in einem Jahr um 56 Prozent. Philippinische Geschäftsleute bestätigen, daß für sie die Beseitigung des Marcos-Regimes spürbare Erleichterungen gebracht habe, begründen ihre zögernde Haltung aber mit anhaltenden Arbeitskämpfen. Die Gewerkschaften nutzen nämlich ihren neugewonnenen Handlungsspielraum, um gegen unfaire Praktiken zu protestieren. Arbeitsminister Augusto Sanchez wird der Vorwurf gemacht, sich auf ihre Seite zu schlagen. Obwohl die Streiks hauptsächlich Klein- und Mittelunternehmen betreffen, haben die ausländischen Firmen sich zur Speerspitze des Widerstands gegen den als Kommunistenfreund bezeichneten Sanchez gemacht und fordern seine Absetzung.

Schwierige Versöhnung

Die Art, wie Frau Aquino sich in dieser Konfrontation verhält, ist vielleicht exemplarisch für ihre Politik. Anstatt das Problem unter den Tisch zu kehren, spricht sie es vor den Handelskammern offen an. Die Militanz der Gewerkschaften sei die Folge der Diktatur; statt sich über die Streiks zu beklagen und Sanchez die Schuld in die Schuhe zu schieben, solle sich jeder fragen, was er selber getan habe, um die Interessen der Arbeiter zu schützen. Freundlich, aber bestimmt erklärte die Präsidentin: "Sanchez ist der richtige Mann für diesen Job." Aber sie fügt hinzu, daß sie gegen seinen Rat die Arbeitsgesetze liberalisiert habe. Die Botschaft ist klar: Die Regierung berücksichtigt die Forderungen der Wirtschaft, sie läßt sich aber nicht erpressen.