Travemünde/Ostsee

Sie hat schon einiges zu bieten, die „schönste Tochter Lübecks“, wie das Ostseeheilbad Travemünde sich selbst gerne nennt:

Buddenbrook-Abend, Skatturnier, Modenschau, transzendentale Meditation, Konzerte, Tanz und ganz viel Strand. Und „wer nicht zu lange im Sand liegen oder im Strandkorb sitzen will, kann vieles andere tun, z. B. Bötchen fahren, surfen, auf hoher See angeln, bummeln, mit einem Schiff auf der Ostsee herumschippern“ – oder eine Ausstellung im nur wenige Meter vom Strand entfernten Kursaal besuchen. Für die freilich mag der Kurdirektor nicht werben.

Denn was man dort derzeit zu sehen bekommt, will so gar nicht zwischen Beach-Life, Shopping und Harald Juhnke passen: „Das Gruselkabinett der Justiz des Mittelalters – Folterinstrumente am Pranger“.

Gezeigt werden grausame Folter- und Tötungswerkzeuge, die in der Zeit von der spanischen Inquisition bis zur Französischen Revolution eingesetzt wurden, um „Geständnisse“ zu erpressen, Gegner mundtot zu machen oder Andersdenkende zu quälen. Was hat eine solche Ausstellung in einem Kurbad in der Hauptsaison verloren, fragen Fremdenverkehrsstrategen, die ihre Urlaubsidylle gefährdet sehen.

Anstoß erregte zunächst das Werbeplakat: Abgebildet war ein zeitgenössischer Stich, der ein mit einer „Ketzergabel“ gequältes Folteropfer zeigt. „Der ganze Ort war zugehängt mit diesem schauderhaften Plakat“, sagt der Lübecker Fremdenverkehrssenator Helmut Wendelborn. „Ich bin seit 1957 in der Politik, doch nur selten habe ich bei einem kommunalen oder regionalen Anliegen so viele negative Telephonate und Briefe bekommen.“

Auch Kurdirektor Klaus-Dieter Mathwich schimpft: „Wir meinen, daß die Urlauber, die hierher kommen und die schönste Zeit ihres Jahres verbringen wollen, nicht mit gefolterten Menschen konfrontiert werden sollen.“