ARD, Samstag, 24. August, 21.10 Uhr: „Die Fräulein von damals“, Fernsehfilm von Dietrich Haugk und Robert Müller

Was es nicht alles im Fernseh-Leben gibt! Aus Jungredakteurinnen werden Konditoreibesitzerinnen, Bardamen erblinden und werden von Bankiers versorgt. Horst Buchholz alias Peter Warren dagegen: immer oben, ewig jung!

Wir dürfen selbst überprüfen. Ganz Mann von Welt, wie er am Flughafen (schon dieser Anfang!) eintrifft und folgerichtig in Hamburgs Nobelhotel „Atlantic“ Quartier nimmt. Als Germanistikprofessor aus Amerika versucht Peter Warren ein letztes (hoffentlich!) Mal, die Stadt seiner frühen Ausschweifungen unsicher zu machen. Gleich einem Parzifal balzt er durch Wohnküchen und Straßen, das Hohelied der Minne auf den schmal gewordenen Lippen. Mißtöne schleichen sich ein, nichts will so recht mehr klappen. Die Gespielinnen von damals sind auch nicht mehr das, was sie vor langen Jahren für den kleinen Wissenschaftsgehilfen einmal waren. Zwischen Schaumbad und Schampus doziert er protzend: „Listen, I practically invented petting in Hamburg!“ Womit das Jungtalent sich offensichtlich früh erschöpfte.

Rührend, wie der arrivierte Forscher nach ihnen allen sucht. Für derart schwierige Fälle empfiehlt sich eben doch das Grand Hotel, wo – ganz wie zu Kaisers Zeiten – ein allmächtiger Portier verschwiegene Geschäfte regelt. Apropos Forscher: ja richtig, ein Symposion tagt auch noch. Selten sieht man konkurrierende Universitätskollegen so im Einklang und im Bann der Wissenschaft. Sogar Studenten dürfen ganz nach Lust und Laune mit dabei sein. Klar, wenn unser Professor spricht, füllen sich deutlich merkbar die Reihen.

Wahrscheinlich sollte die nostalgisch angehauchte Story eine deftige Mittelstandskomödie abgeben, das Schema boymeets-girl in Endlos-Variationen, versehen mit dem Zusatz: revisited. Das Ergebnis: ein Einschlaf-Film mit Hindernissen.

Vorgeblich auf der Suche nach der verlorenen Einen, verheddert sich Westentaschen-Casanova Warren zunehmend im Gestrüpp seiner Ex-Dates. Zwischen Potenzwahn und milder Irritation taumelnd – wenigstens im Fernsehen dürfen Professoren noch zerstreut sein – streift der ergraute Kater durch sein altes Revier. Die müden Anmachspiele von vorgestern – sollen das die 60er Jahre gewesen sein? So ernüchternd für den Playboy des Defilee seiner vom Schicksal gebeutelten Damenriege, so anödend die ausgeleierten Klischees vor allem für die Zuschauerinnen – falls sie ausgeharrt haben. Es scheint, auch das Frauenbild ergrauter Fernsehregisseure hinkt der Zeit stark hinterher. Schwester Ingrid zum Beispiel, damals der Zeit „wo Orgasmen noch nicht obligatorisch ...“ weit voraus, packt nach wie vor mit beiden Händen zu, im kinderreichen Haushalt. Ältere Semester, die immer noch vom großen Auftritt träumen, finden in unserer Gesellschaft ein Plätzchen als Garderobiere. Und die Emanzipierte, die in Sachen Kunst macht – da klappt im Privatleben natürlich nichts.

Geschafft. Er hat sie alle durchgeschnüffelt. Gleich ist, aber, aber Herr Professor, das Etagenfräulein vom „Atlantic“ dran. Fehlalarm. Des Professors Gattin im Tirolerhut reist an. „Okay, frog-face“, begrüßt sie ihn jovial. Froschgesicht? So falsch liegt sie da nicht!

Cornelia Plattner