Vielen Börsianern wird es nie und nimmer eingehen, warum gerade dann, wenn ihre Hoffnungen groß sind und jeder „Geheimtips“ handelt, die Kurse zu sinken beginnen. Andererseits: Ist die Stimmung auf dem Tiefpunkt, sind die Zeitungen voller Hiobsbotschaften, beginnt oft ein neuer Aufschwung.

Diese Beobachtungen gelten für fast alle Finanzmärkte, für Immobilien, Edelmetalle und Terminmärkte. Besonders gut aber lassen sich solche Entwicklungen an den Wertpapierbörsen nachvollziehen. Ein schönes Beispiel ist der 17. August 1982. An diesem Tage endete an den deutschen Aktienbörsen die vierjährige Flaute seit 1978. In den darauffolgenden vier Jahren legte der Aktienindex in der Spitze über 250 Prozent zu.

Eine kleine Auswahl von Überschriften aus dem Handelsblatt in den Tagen kurz vor und nach diesem Tag illustriert die damalige Stimmung:

  • Kurseinbruch bei Aktien
  • Mexiko – Gerüchte über Umschuldung
  • Konjunktur – RWI malt ein düsteres Bild
  • Lebensversicherer spüren die Flaute
  • BASF – Die Rezession zeigt Spuren
  • Bauhauptgewerbe sieht keine Besserung
  • Düstere Aussichten für die Dritte Welt
  • Möbelkonjunktur tief im Keller
  • Massenentlassungen bei General Motors
  • VW plant 10 Tage Kurzarbeit.

Schon diese willkürliche Auswahl von düsteren Botschaften aus den verschiedensten Bereichen läßt die triste Stimmung in den Börsensälen in jenen Tagen ahnen. Ein „Pleitegerücht“ um die AEG genügte an diesem 17. August 1982, um die Aktie des zweitgrößten deutschen Elektrokonzerns von 27,80 Mark am Vortag bis zum Börsenschluß auf 22,20 Mark fallen zu lassen.

Um sich die Wirkungen von Stimmungsschwankungen klarzumachen, muß man wissen, was beim Aktiengeschäft passiert: Aktien wechseln nur den Besitzer, jedem Verkauf steht immer ein Kauf gegenüber. Selbst am tristesten Börsentag, wenn viele ihre Papiere zu fast jedem Preis abstoßen wollen, muß es demnach noch Leute geben, die genau das Gegenteil tun und kaufen. Mit anderen Worten, wenn Aktien gehandelt werden, sind offensichtlich stets Optimisten und Pessimisten aktiv. In welche Richtung sich der Kurs bewegt, hängt davon ab, wie dringend das Lager der Pessimisten seine Papiere loswerden will und/oder wie begierig die Optimisten auf Aktien sind.

Und noch einen zweiten Punkt muß man sich klarmachen. Es gibt zwei große Gruppen von Aktienbesitzern – Spekulanten und langfristig denkende Anleger. Während die einen auf rasche Gewinne aus sind und ihre Papiere schnell wieder losschlagen, wenn nicht alles nach Plan läuft, kaufen die anderen langfristig und lassen sich auch von temporären Kurseinbrüchen nicht so leicht aus der Ruhe bringen.