Der Fall Werner Pinzner und die Folgen

Von Michael Schwellen; Mitarbeit Tamara Duve

Hamburg, im August

Gut gelaunt, fast heiter, stellte Klaus von Dohnanyi sein Fahrrad an der Hecke ab, streifte die Hosenklammern vom Bein. „Ihnen viel Glück“, wünschte er Pia Frankenberg. „Sie, Herr Straub, beglückwünsche ich zu Ihrer Braut.“ Dann mischte sich Hamburgs Erster Bürgermeister, manche Gäste fanden den sonst so Distanzierten fast ein wenig zu direkt, unter die jungen Filmemacher, Journalisten und Geldadeligen, um mit ihnen die schönste Hochzeit dieses Hamburger Sommers zu feiern.

Dohnanyi hatte an jenem Freitagabend, es war der 8. August, eine hektische Arbeitswoche hinter sich. Er war erst am Montag aus dem Urlaub in Oberbayern zurückgekehrt, hatte am Mittwoch die Senatoren Rolf Lange (Inneres) und Eva Leithäuser (Justiz) entlassen. In einem Aufwasch hatte er gleich noch Umweltsenator Wolfgang Curilla, den einzigen Juristen im Senat, an die Spitze der Justizbehörde versetzt. Der ohnehin schon überlasteten Gesundheitssenatorin Christine Maring hatte er die Leitung des Umweltressorts aufgedrückt. Den starken Mann im Senat, den „eisernen“ Alfons Pawelczyk, hatte Dohnanyi zum stärksten Mann gekürt – jener blieb nicht nur Bundesbeauftragter und Zweiter Bürgermeister, er leitet jetzt auch die Innenbehörde der Hansestadt.

Und wie er leitet. Schon am ersten Tag im neuen Amt, am Donnerstag, hatte Pawelczyk angedeutet, welche Umsetzungen er an der Spitze der Polizei vorhabe. Nach über dreißig Personalgesprächen waren seine Rochadepläne an diesem Freitag nahezu perfekt.

Während des ausgelassenen Hochzeitstrubels im noblen Harvestehude wußte also Dohnanyi bereits, daß die Bereinigung der Senatskrise in besten Händen lag. Ein obergäriges Kölsch trinkend, plauderte der Bürgermeister mit Hans Christoph Blumenberg, dem Regisseur des Hamburg-Thrillers „Der Sommer des Samurai“.