Die Unruhen in Südafrika und der drohende Wirtschaftskrieg mit dem Apartheid-Regime haben der Angst neue Nahrung geliefert: Wie abhängig ist die westeuropäische Industrie von ihren Rohstofflieferanten? Kann sie es verkraften, daß zum Beispiel ein so wichtiger Produzent wie Südafrika mit den Lieferungen von Platin, Chrom, Uran, Gold und Vanadium für längere Zeit aussetzt?

Noch vor zehn Jahren hätten Regierungen und Unternehmer solchen Ereignissen mit größter Sorge entgegengesehen. Nicht umsonst arbeiteten sie damals für diese Eventualitäten Krisenpläne aus und horteten Rohstoffe in staatlichen Lagern. Heute hingegen hat sich die Situation grundlegend gewandelt: Selbst seltene Metalle werden nicht mehr als knappe, unersetzbare Güter eingestuft, die Angst vor einer Erschöpfung der Ressourcen ist sowieso längst gewichen. Auch einem Lieferstopp Südafrikas sehen Fachleute deshalb gelassen entgegen.

Wen die Hintergründe für diesen Wandel interessieren, dem sei das Buch eines Geologen empfohlen, der seit mehr als zehn Jahren das Rohstoffreferat im Bonner Wirtschaftsministerium leitet. Er beschreibt anschaulich und interessant, wie die westliche Industrie in den vergangenen Jahren auf ihre Rohstoffabhängigkeit reagiert hat. Und er erklärt, warum, Metalle wie Kupfer, Nickel und Blei in Zukunft für die Industrie immer uninteressanter werden.

Carl-Wolfgang Sames, Anaconda, Berichte aus der Rohstoffwelt, Wirtschaftsverlag Langen-Müller/Herbig, München 1986,38 Mark

Sames analysiert aber nicht nur, warum Altstadtlampen heute längst nicht mehr aus Gußeisen sind, sondern aus bronzebemaltem Hartschaum; warum Autos bald mit Kunststoffkarosserie und Keramikmotor fahren werden und wie Plastik Aluminium und Stahl im Haushalt verdrängt. Er schildert auch die Zeiten, als das Geschäft mit den Metallen noch blühte, als die großen internationalen Bergbaukonzerne (von denen es gar nicht so viele gibt) mächtig waren und man in den ressourcenreichen Entwicklungsländern von zukünftigem Reichtum träumte. Schließlich erzählt er von den Anfängen des modernen Bergbaus, von den Goldgräbern im neunzehnten Jahrhundert und den ersten großen amerikanischen Minengesellschaften. Kurzum, der Leser kann in der Geschichte des Bergbaus stöbern und damit auch in der modernen Industriegeschichte. iml