Zweimal kam es im Grenzgebiet zwischen der Irischen Republik und Nordirland zu Übergriffen nordirischer Protestanten. Wider Willen wird die Republik vom engagierten Vermittler in der Nordirlandfrage zur Konfliktpartei.

Die nächtliche Invasion von fast zweihundert maskierten und bewaffneten Protestanten aus dem Norden in das kleine Dorf Contibret in der Republik Irland am 7. August hatte vergangene Woche ihr gerichtliches Nachspiel. Obwohl der Handstreich nach Aussage der Organisatoren gerade den Nachweis erbringen sollte, daß es entlang der inneririschen Grenze keine ausreichenden Schutzvorkehrungen gibt, war der militante Protestantenpolitiker Peter Robinson, stellvertretender Chef der Bewegung des Pfarrers Ian Paisley, in jener Nacht von der irischen Polizei verhaftet worden. Die Anklage lautete auf ungesetzliche Versammlung, tätliche Angriffe gegen Polizeibeamte und mutwillige Sachbeschädigung.

Am ersten Prozeßtag glich die IRA-freundliche Grenzstadt Dundalk, Sitz des Gerichts, einer Festung, die auf Tausende empörter Protestanten wartete. Gut einhundert Anhänger Robinsons aus Nordirland zogen nach Dundalk. Trotz aller Sicherheitsvorkehrungen konnte die Polizei nicht verhindern, daß die protestierenden Protestanten von den katholischen Einheimischen aus der Stadt geprügelt wurden. Ein ganzer Kasten mit Benzinbomben prallte vor fliehenden Protestanten auf die Straße. Das Gericht vertagte die Verhandlung bis zum Herbst.

Der stellvertretende Dubliner Justizminister Michael Noonan kommentierte die für die Republik ungewohnten Krawalle mit der Bemerkung, die protestantischen Rowdys und die einheimischen Anhänger der IRA hätten nicht als Gegner, sondern als Alliierte gehandelt: vereint im Ziel, größtmögliche Unruhe zu stiften. Paisley und Robinson reagierten empört und drohten dem Minister rechtliche Schritte an.

Die Drohgebärden der radikalen Protestanten bildeten den Auftakt zu einem unruhigen Wochenende in Nordirland selbst. Katholische und protestantische Paraden mündeten in Konfrontationen mit der Polizei. Immer deutlicher wird, daß die Initiative im protestantischen Protest gegen das anglo-irische Abkommen vom Dezember 1985 gänzlich in die Hände Paisleys und Robinsons übergegangen ist. Die Vertreter der gemäßigten Protestanten warten auf ein Reformpaket, das erste konkrete Ergebnisse der Zusammenarbeit zwischen Dublin und London festschreiben soll.

Unter den Extremisten aller Schattierungen werden alle Reformen auf vehemente Abwehr stoßen. Katholische wie protestantische Terroristen erweitern bereits die bekannten Listen ihrer anvisierten Opfer; so erhielten die wenigen Katholiken, die noch im protestantischen Ost-Belfast arbeiten, in diesen Tagen Morddrohungen. Den Wahlkreis Belfast-Ost vertritt im britischen Unterhaus der ehrenwerte Peter Robinson.

Martin Alioth (Belfast)