Von Bernhard Blohm

Der Präsident der Deutschen Bundesbank, wie sein offizieller Titel lautet, ist ein Mann der Öffentlichkeit. Wenn er, wie jetzt, mit seinem amerikanischen Kollegen Paul Volcker um eine internationale Zinssenkungsrunde streitet, Turbulenzen im Europäischen Währungssystem (EWS) zu beruhigen hat oder auf internationalen Schuldenkonferenzen das Wort ergreift, ist das auch den ausländischen Tageszeitungen allemal eine Meldung auf der ersten Seite wert. Karl Otto Pöhl repräsentiert die Deutsche Mark, der nach dem Dollar wichtigsten Währung der Welt.

Er leitet ein Unternehmen mit einer Bilanzsumme. von weit über 200 Milliarden Mark, und das Produkt des Hauses ist im In- und Ausland heiß begehrt – die Mark. Die Firma heißt Deutsche Bundesbank, und Chef ist dort seit Anfang 1980 Karl Otto Pöhl.

Das Amt eines deutschen Zentralbankpräsidenten ist einzigartig, denkt man in politischen Kategorien. Der Gesetzgeber hat die Notenbank mit einer in einem demokratischen Staatswesen ungewöhnlichen Machtfülle ausgestattet, obwohl die führenden Männer der Bundesbank weder vom Volk gewählt, noch von der Bundesregierung kontrolliert werden.

Mit dem Einsatz ihrer geld- und kreditpolitischen Instrumente bestimmt die Hüterin der Währung, ob Anleger viel oder wenig Geld für ihre Spargroschen bekommen, ob Hausbesitzer höhere oder niedrigere Zinsen für ihre Hypothekenkredite zahlen müssen. Es gibt nicht wenige Stimmen in Politik, Wirtschaft und Wissenschaft, die der Notenbank die Macht zuschreiben, mehr als Bundesregierung, Arbeitgeber oder Gewerkschaften die gesamtwirtschaftliche Entwicklung beeinflussen zu können: Die Bundesbank sei die wahre Herrscherin über Wachstum, Beschäftigung und Preise in diesem Lande.

Der Umgang mit der Macht erfordert Fingerspitzengefühl, Rücksichtnahme auf die wirtschaftspolitischen Interessen der Bundesregierung, Abstand von den Tarifparteien und nicht zuletzt Verständnis für die unmittelbaren Geschäftspartner der Notenbank, die deutschen Kreditinstitute und die ausländischen Zentralbanken. Ganz besonders gilt das, seit die Geldpolitik nach dem Zusammenbruch des Währungssystems von Bretten Woods und der Freigabe der Wechselkurse im Frühjahr 1973 eine viel größere weltwirtschaftliche Bedeutung gewonnen hat als in all den Jahren zuvor.

Der 59jährige Karl Otto Pöhl besitzt in hohem Maße das für sein Amt erforderliche politische Gespür. Seine Vorgänger Wilhelm Vocke, Karl Blessing, Karl Klasen und auch Otmar Emminger standen allein aufgrund ihrer Ausbildung dem deutschen Kreditgewerbe näher als der jetzige Präsident. Sie waren entweder Juristen mit einer fundierten Bankausbildung oder hatten wie Blessing ihren Start ins Berufsleben sogar in der damaligen Reichsbank begonnen.