Wenn der Storch ausbleibt oder die Zahl der Schwalben sich drastisch verringert, dann ist das für jedermann, zumindest auf dem Lande, wahrnehmbar. Verschwinden hingegen die „Nachtvögel“, die Uhus, die Eulen und die Käuze, dann bleibt das weitgehend unbemerkt. Obwohl wir heute über ihr Leben und Verhalten mehr wissen, als sich selbst Ornithologen noch vor fünfzig Jahren erträumen konnten, ist die Überlebenschance der Nachtvögel geringer als je zuvor.

Die Bezeichnung „Nachtvögel“ ist ein bißchen irreführend, denn etliche von ihnen, wie der Steinkauz oder die Waldohreule, zeigen sich auch am Tage. Über den Waldkauz schrieb Brehm: „Er weiß sich auch am hellen Mittag so vortrefflich zu benehmen ... daß ich ihn nie habe erlegen können.“ Auf Uhus, Eulen und Käuze zu schießen, sie zu fangen oder ihre Nester auszunehmen, ist in der Bundesrepublik verboten.

Die Eulen sind eine weit verbreitete Vogelfamilie, mehr als zweihundert Arten sind bekannt, von denen ein gutes halbes Dutzend in Mitteleuropa zu Hause sind. Den Uhu, den vom Aussterben bedrohten größten der Nachtvögel, versucht man hier und da, zum Beispiel in der Eifel, wieder einzubürgern, was aber schwierig ist. Ein Pärchen, großgezogen in einem zoologischen Gärten und ausgesetzt in einem Wald, in dem ich mich auskenne, ist nach drei Jahren wieder verschwunden.

Der Waldkauz ist nach dem Uhu, der bis zu achtzig Zentimeter groß wird und dessen Flügelspanne 1,70 Meter beträgt, der größte Eulenvogel in unseren Wäldern. Er wird bis zu 48 Zentimeter groß, und seine Flügelspanne ist fast ein Meter. Sein langgezogenes „Huhuhuhuhu“ hörte ich noch vor sechs Jahren des Nachts vom nahen Waldrand herüber. Ende Februar, Anfang März begann er zu rufen. Oft schien es, als seien es zwei oder drei Vögel, die da auf Brautschau waren. Inzwischen ist der Waldkauz verstummt.

Es gibt noch immer alte Bäume im Wald, also auch Höhlen, in denen er brüten kann, auch Krähennester, die er annimmt. Notfalls scharrt er sein Nest auch am Boden zusammen, aber Bodenbrüter haben es schwer in unserem Lande, wo jeder zweite „Naturfreund“ seinen Hund im Wald und auf der Heide frei laufen läßt.

Der Waldkauz greift wie der Habicht und wie der Rotkopfwürger auch einen Menschen an, wenn der sein Brutgeschäft stört. Auch dadurch ist seine Chance zu überleben zweifellos verringert. Der Waldkauz schlägt Mäuse, ernährt sich aber auch von Kleingetier, von Singvögeln und Käfern. Die Chemikalien auf Feldern und Wiesen und auch in den Wäldern reduzieren das Nahrungsangebot, überdies dürften Pestizide in der Nahrungskette manche Brut schon im Ei zerstören.

Auch der Steinkauz, ein kleiner Bruder des Waldkauzes, steht auf der Liste der in ihrem Bestand bedrohten Vögel. Etwa so groß wie ein Buntspecht, nistet er in Obstplantagen, allerdings muß es da alte Bäume mit Astlöchern geben, Spalierobst ist nicht sein Revier. Er nimmt aber auch künstliche Nisthöhlen, Mauernischen und geschützte Ecken auf Dachböden an. Auch er, Minervas Vogel, ernährt sich von Mäusen, Käfern, Heuschrecken, Kleinvögeln und Reptilien. Im Gegensatz zu anderen Eulenvögeln legt er sich für Notzeiten einen Vorrat an, so versteckt er in dunklen Löchern geschlagene Mäuse und anderes Getier.