In Südafrika trat die herrschende Nationale Partei zum Kongreß zusammen. Wer von Präsident Botha neue Reformankündigungen erwartet hatte, wurde gründlich enttäuscht.

Offenbar gibt es eine bislang nicht offiziell bekanntgemachte Entscheidung der Regierung in Pretoria, ihren Dialog mit den Staaten des Westens über mögliche Reformen abzubrechen und auch eventuelle Sanktionen hinzunehmen. Darum wurde der Sonderparteitag der Nationalen Partei in Durban zu einer eigentlich überflüssigen Veranstaltung.

Vor einem halben Jahr hatte Präsident Pieter Willem Botha den Parteikongreß einberufen – zu einer Zeit, in der seine Regierung den Eindruck erweckte, sie sei auf Reformkurs gegangen. Der Parteitag in Durban wurde damals im voraus als historisches Ereignis beschrieben: Die Delegierten würden Verfassungsreformen billigen und der schwarzen Bevölkerung erstmals politisches Mitspracherecht zugestehen.

Nichts dergleichen stand jetzt auf dem Parteitagsprogramm der 1700 Delegierten. Der Präsident, der die Westmächte nicht mehr mit Reformen beeindrucken will, nutzte das Forum für Angriffe auf das Ausland. Botha ist wohl in den letzten Monaten zu dem Schluß gekommen, daß der Versuch, in Amerika und Europa guten Eindruck zu machen, seine Regierung zu Schritten zwänge, die er nicht zu tun bereit ist. „Botha merkte, daß er gezwungen gewesen wäre, seine eigene Abdankung auszuhandeln. Darum hat er lieber ein Stoppschild gesetzt und will den Sanktionsdrohungen heute standhalten“, meint der Politikwissenschaftler André du Toit, Professor an der für die Willensbildung der Regierung wichtigen Universität Stellenbosch.

Aus der Rückschau betrachtet war der Besuch der sieben „hervorragenden Persönlichkeiten“ aus dem Commonwealth Mitte Mai der Wendepunkt. Die Gruppe hatte einen Plan für die ersten direkten Verhandlungen zwischen der Regierung in Pretoria und dem verbotenen Afrikanischen Nationalkongreß (ANC) vorgelegt. Die Regierung sollte danach den inhaftierten ANC-Führer Nelson Mandela entlassen, seine Organisation wieder zulassen und Verhandlungen mit ihr aufnehmen. Im Gegenzug hatte der ANC einen Waffenstillstand im Guerillakampf erklärt.

Einige der „hervorragenden Persönlichkeiten“ besuchten Mandela in der Haft. Sie berichteten, er habe auf ihren Vorschlag positiv reagiert. So geriet Botha in Zugzwang. Verhandlungen mit dem ANC wären eine Verletzung des Konzepts der „Gruppen-Selbstbestimmung“ gewesen (das ist Bothas neuer Euphemismus für getrennte politische Einrichtungen für die einzelnen Rassen) und hätten ein weites Feld neuer Möglichkeiten bis hin zur Herrschaft der schwarzen Mehrheit geöffnet.

Da Botha aber nur zu Reformen bereit war, mit denen die Schwarzen mehr Rechte in ihren eigenen Angelegenheiten erhielten, nicht aber zur Aufgabe der allumfassenden Kontrolle des Staates durch die weiße Minderheit, ließ er den Commonwealth-Plan sterben. Als der britische Außenminister Sir Geoffrey Howe versuchte, die Scherben zu kitten, wurde er der Einmischung in innere Angelegenheiten beschuldigt.