Ostfildern

Der Baedeker Autoführer-Verlag aus Ostfildern im Landkreis Esslingen hat sich mit fernöstlichen Sextips Unmut und Unkosten eingehandelt. Anlaß des Ärgernisses ist ein Band über die thailändische Hauptstadt Bangkok, der in der Reihe „Baedekers Allianz Taschenbücher“ erschienen ist.

„Der perfekte Reiseführer“ (Verlagswerbung) enthält auf Seite 148 „praktische Informationen“, die ausschließlich der männlichen Leserschaft gelten. Es sind Hinweise, wonach die Massagesalons der illegalen Prostitution dienen und ab 10 Uhr vormittags geöffnet haben. Oder Ratschläge, in den Coffee shops warte ein fester Stamm hübscher und junger „Damen“, „die bereit sind, sich abführen zu lassen“.

Einschlägig Interessierte erfahren weiterhin, in welchen Hotels die „abgeführten“ Damen unerwünscht sind oder gegen einen Aufpreis mit aufs Zimmer dürfen. Danach werden genital-fixierte Reisende auf einen Leckerbissen des Lust-Tourismus verwiesen:

„Die Fremden-Prostitution hat ein interessantes Phänomen hervorgebracht. Taubstumme junge Mädchen sind äußerst beliebt und können Rekordzahlen an Kunden aufweisen, da zum einen das Problem der sprachlichen Verständigung entfällt und sie zum anderen im ‚Wunschlesen‘ konkurrenzlos sind.“

Die „praktischen Informationen“ empörten die Bundestagsabgeordnete Herta Däubler-Gmelin (SPD), die sich schon früher über den ostasiatischen Mädchenhandel geärgert hatte. Sie schrieb zwei Briefe: an den Verlag und an den Vorstandsvorsitzenden der Allianz-Versicherungs-AG, Wolfgang Schieren, der das Vorwort der Baedeker-Allianz-Reihe mitunterzeichnet. Ob die Tips zur Prostitution in den Reiseführer gehörten, so die stellvertretende Vorsitzende der SPD-Bundestagsfraktion, sei eine Frage des Geschmacks. Der Allianz-Vorstand müsse sich aber fragen lassen, ob er sich sogar mit der Taubstummen-Prostitution in Zusammenhang bringen wolle.

Schieren distanzierte sich umgehend. Die Redaktion der Reihe unterliege nicht dem Einfluß der Allianz. Dennoch habe Baedeker auf seine Intervention hin die Auslieferung gestoppt und für den Rückruf bereits ausgelieferter Bände gesorgt. Auch der Verlag, der sich anfangs geziert und erklärt hatte, die Formulierungen seien „nicht glücklich“ gewesen, beteuert inzwischen, „aus eigener Überzeugung und im Hinblick auf den ausdrücklichen Wunsch der Allianz“ reagiert zu haben. Baedeker nimmt alle Schuld auf sich und hat eine Sühne angekündigt: eine Spende zur Förderung von taubstummen Kindern in Thailand.