Johannes Rau hat Zweifel zerstreut und Zuversicht geweckt

Von Gunter Hofmann

Nürnberg, im August

Jetzt könnte Johannes Rau ein wirklich schönes Wahlergebnis erzielen. Politik ist eben so, es kann tatsächlich viel von einer einzigen Rede abhängen. Johannes Rau, gestreßt und strahlend, von einem Pulk von Photographen einzigen muß auf einen Stuhl klettern, um den Beifall des Parteitags entgegenzunehmen. Zufriedenheit, Jubel, auch Begeisterung brausen auf; und ein gehöriges Stück Erleichterung klingt bei den Genossen durch, die dem Kandidaten zugehört haben.

Für die kommenden Monate hat sich Rau eine Plattform geschaffen, von der aus er Kohl tatsächlich herausfordern kann. Jedenfalls kann er seinen Anspruch jetzt ernsthaft politisch begründen. Er hat, ohne zu polarisieren, doch immerhin das "Andere" einer sozialdemokratischen Politik definiert, nicht grundsätzlich neu, sondern vorsichtig, werbend, umarmend, aber auch nicht mit Antworten von gestern.

Warum er Kanzler werden möchte, hat Rau seiner Partei erläutert, wofür sie dankbar ist. Aber die Begründungen zielen darüber hinaus. Wenn die Republik sich überhaupt in Machtwechselstimmung befindet (oder wenn sie in eine solche Stimmung zu versetzen ist), zielt Rau treffsicher auf ein solches Publikum, das sich nicht in Blöcke einbinden lassen möchte.

Ins Gemüt getroffen