Wer da glaubt, in der Urlaubszeit verkrieche sich die Bundesregierung ins vielzitierte Sommerloch und gebe nur gelegentliche Lebenszeichen, um ihre Existenz zu beweisen, der irrt. Hinter den Kulissen wird unermüdlich gearbeitet, weil die Neugier der Abgeordneten befriedigt werden muß. Minister und Staatssekretäre bemühen sich, auf mehr oder weniger wichtige Anfragen mehr oder weniger klar zu antworten – wegen der Sommerpause natürlich schriftlich.

Da hatte etwa der CSU-Abgeordnete Klaus Rose die Frage eingereicht: "Welche Kosten fielen bei der geplanten, aber kurzfristig abgesagten Konferenz der deutschen Afrika-Botschafter in Dakar im Frühjahr 1986 an?" Die Antwort von Staatsminister Jürgen Möllemann war auf den Pfennig genau: "An Reisekosten sind 73 276,16 DM und an Ersatzansprüchen des Hotels 35 143,22 DM angefallen."

Den SPD-Mann Klaus Kirchner interessierte, was er auch in Zeitungen hätte nachlesen können: wie hoch denn von 1983 bis 1986 die an den Bundeshaushalt abgeführten Bundesbankgewinne waren. Finanzstaatssekretär Friedrich Voss nannte 48 Millionen Mark. Doch Kirchner wollte noch mehr wissen: wie denn die Zinskosten ausgefallen wären, wenn der gleiche Betrag über Kredite hätte finanziert werden müssen. Eine "hypothetische Frage", antwortete Voss, und darauf fiel ihm keine plausible Antwort ein.

Eine Vorzugsbehandlung erfuhr die wißbegierige Sozialpolitikerin Anke Fuchs von der SPD. Sie reichte eine Große Anfrage zum Beschäftigungsförderungsgesetz ein und erhielt von Wolf gang Vogt, Staatssekretär im Arbeitsministerium, eine Vorabantwort per Pressemitteilung.

Anke Fuchs hatte auf neun Seiten 41 Fragen formuliert, um ihre Forderung zu unterstreichen: "Das sogenannte Beschäftigungsförderungsgesetz muß schleunigst aufgehoben werden." Erbost konterte Vogt: "Was soll eine Große Anfrage, wenn Frau Fuchs ihre polemischen Antworten schon gleich mitliefert?"

Nimmt man den FDP-Abgeordneten Hans H. Gattermann beim Wort, dann hat Gerhard Stoltenberg seine Vorschläge zur Steuerreform von den Liberalen übernommen. Gattermann wörtlich: "Fast auf den Tag genau mit einem Jahr Verzögerung hat Bundesfinanzminister Dr. Stoltenberg .. sein Steuerkonzept vorgelegt, das in allen wesentlichen Grundzügen mit dem am 25. August 1985 von der FDP verabschiedeten Steuerpaket übereinstimmt."

Der Finanzexperte der FDP-Fraktion hat ein lückenhaftes Gedächtnis. Denn so manches, was von der FDP zum Thema Steuerreform in der Zwischenzeit vorgeschlagen wurde, fand beim Finanzminister überhaupt keinen Beifall. Der FDP-Vorsitzende und Wirtschaftsminister Martin Bange mann stellte zum Beispiel den Unternehmern den Abzug der Gewerbesteuer von der Mehrwertsteuer in Aussicht. Das wäre, so Bangemann, ein Entlastungseffekt von fünfzig Milliarden Mark (bei einem Gewerbesteueraufkommen von etwa dreißig Milliarden Mark im Jahr). Aus gutem Grund ging Stoltenberg auf diesen Vorschlag erst gar nicht ein.