Es kann für Autofahrer teuer werden, in der DDR vom rechten Weg abzukommen. Deshalb sei es ihnen ans Herz gelegt, die Verkehrsvorschriften einzuhalten.

Bis auf wenige Ausnahmen gelten in der DDR die gleichen Verkehrsregeln wie hierzulande. Doch speziell auf den Autobahnen sind einige Besonderheiten zu beachten: Die meisten DDR-Autobahnen verfugen beispielsweise nur über „kurze“ Ein- und Ausfahrten. Das heißt, daß Autofahrer, die die Autobahn verlassen wollen, noch auf der Fahrspur die Geschwindigkeit drosseln müssen, wenn sie nicht aus der Bahn geraten wollen. Bei der Einfahrt wiederum gilt es, fast „aus dem Stand“ zu sprinten, sobald sich eine passende Lücke in der Autoreihe auftut. Bei neuen Autobahnabschnitten wurden Beschleunigungsspuren dazugebaut.

Auf den DDR-Autobahnen ist es beim Einfahren untersagt (sofern keine Beschleunigungsspur vorhanden ist), nach links zu blinken, da laut Straßenverkehrsordnung die Fahrtrichtung nicht geändert wird. Außerdem darf man nicht auf die linke Fahrspur wechseln, nur um einem einfahrenden Auto das Einfädeln zu erleichtern.

Wie bei uns ist es auch in der DDR verboten, daß Fußgänger die Autobahn betreten. Einzige Ausnahme: An einigen Stellen dürfen Pkw-Reisende – und das möglichst in einer Gruppe – die Autobahn zu Fuß überqueren, um von einem Parkplatz zu einer Raststätte auf der gegenüberliegenden Straßenseite zu gelangen. Das alles können Transitreisende vergessen, sie dürfen die Autobahn nicht verlassen. Einer dpa-Meldung zufolge bekamen bundesdeutsche Transitreisende allein in den ersten fünf Monaten dieses Jahres an die 62 000 Strafen aufgebrummt, weil sie die vorgeschriebene Route verlassen hatten.

Doch nach der Geschwindigkeitsbegrenzung müssen auch sie sich richten: Pkw und Motorräder dürfen auf Autobahnen nicht schneller als 100 Stundenkilometer sein. Auf anderen Straßen außerhalb der Orte liegt das Tempolimit bei 80 Stundenkilometer. Durch Ortschaften darf man mit 50 Stundenkilometer zuckeln; auf diese Geschwindigkeit müssen Autofahrer auch 80 Meter vor einem Bahnübergang heruntergehen.

Westliche Verkehrssünder werden in der Regel mit Strafen zwischen zehn und 100 Mark bedacht, die in Westwährung hinzublättern sind. Bis zu 5000 Mark müssen jedoch gezahlt werden, wenn man sich nicht an das Alkoholverbot auf DDR-Straßen hält. Das Strafgeld darf auch nachträglich überwiesen oder aus einem „Devisenausländerkonto A“ beglichen werden. Gegen eine „Ordnungsstrafverfügung“ kann man bei der zuständigen Volkspolizeidienststelle Beschwerde einlegen. Das geht auch schriftlich von der Bundesrepublik aus. Zwar können die DDR-Behörden Ordnungsstrafen nicht im Bundesgebiet vollstrecken, wer sie jedoch ignoriert, muß unweigerlich bei weiteren DDR-Einreisen mit Schwierigkeiten rechnen. Hella Leißner