Bernd Stoy vom Bundesverband Solarenergie (BSE) hatte sich die Sache fein ausgedacht. Um der Öffentlichkeit seine Klage darüber vorzutragen, daß über die Sonnenenergie und ihre Nutzung zwar allenthalben geredet, für die Förderung indes nicht genügend getan werde, war er eigens nach Bonn gereist. Der Sonnenfan vom BSE: "Jeder ist dafür, aber nichts wird getan."

Der Zeitpunkt war günstig gewählt. Nachdem sich die ersten Strahlenwolken von Tschernobyl verzogen hatten, schien Stoy die Sonne heller denn je. Die Grünen plädieren für den sofortigen Ausstieg aus der Kernenergie, die Sozialdemokraten planen ihn in Stufen. Auch wenn die Christdemokraten den Abschied von der atomaren Energiequelle erst im nächsten Jahrhundert möglich wähnen: Ersatz muß allemal her. Und Bernd Stoy sieht ihn vor allem in der Sonne. Trotz der Spannbreite der politischen Alternativen zur Kernenergie glaubte sich Stoy mit einem Appell an die Bundesregierung, die erneuerbaren Energieträger mit einem Milliardenprogramm zu fördern, auf dem sicheren Weg zum Erfolg.

Die Rechnung ging aber nicht auf. Forschungsminister Heinz Riesenhuber ließ sich nicht unter Druck setzen. Die finanziellen Mittel, die er in seinem Haushalt für die Förderung alternativer Energien vorgesehen hat, bleiben auch nach dem Appell der Sonnenverfechter im Rahmen des Üblichen. Eine Förderwende gibt es nicht. Statt der erbetenen Milliarden fließen auch künftig nur Millionen.

Minister Riesenhuber ging sogar auf Kollisionskurs mit dem Sonnen-Verband. Zwar mied er persönlich die Konfrontation, um so deutlicher durften seine Beamten gegenhalten. Das Ministerium wies die Kritik an der mangelnden Solarforschung zurück und konterte, der Verband vertrete lediglich die Interessen der Großindustrie und der Elektrizitätsversorgungsunternehmen, die nur kostengünstig an die Forschungsgelder kommen möchten. Bonn hatte in den vergangenen zehn Jahren 650 Millionen Mark gezahlt. Und der CDU-Bundestagsabgeordnete Christian Lenzer kritisiert dann auch: "Der Beweis, daß diese Forschungsgelder bestens angelegt sind, wurde noch nicht erbracht."

Daß sich der Forschungsminister strikt weigert, die alternativen Energieträger überproportional zu fördern und den Solarfirmen einen Tschernobyl-Bonus zu gewähren, ist Teil seiner Politik. So ist er mit dem Anspruch angetreten, industrielle Forschungsprojekte nur noch dann zu fördern, wenn sich die Unternehmen mit erheblich höheren Eigenanteilen an den Projekten beteiligen, als sie bis zur Wende von 1982 üblich waren. Sofern die Unternehmen ein förderungswürdiges Projekt zu fünfzig Prozent selbst finanzieren, schießt Riesenhuber die übrige Hälfte dazu.

Dem Bundesverband Solarenergie mit seinem guten Dutzend Mitgliedsfirmen – überwiegend große und finanzstarke Unternehmen wie Siemens, AEG, Bosch, Philips, MBB, Dornier (Daimler) und das RWE – ist das zu wenig. Er verlangt einen Förderzuschuß von achtzig Prozent.

Diese Bettelei des Verbandes droht zu einem peinlichen Vorgang zu werden. Mit Bernd Stoy als Vorsitzendem hat nämlich ausgerechnet ein Vertreter der Elektrizitätswirtschaft die Stimme laut erhoben. Bernd Stoy kommt vom RWE, das wegen seiner Größe und seines monopolartigen Gebarens nicht gerade im allerbesten Ruf steht