Werden in El Salvador die Friedensgespräche zwischen Regierung und Guerilla wieder aufgenommen? Die Kirche bemüht sich um Vermittlung.

Nach zweitägigen Verhandlungen in Mexiko-Stadt einigten sich Vertreter von Regierung und Guerilla am Samstag voriger Woche darauf, am 19. September in der Stadt Sesori, im östlichen Department San Miguel, zum drittenmal zusammenzutreffen. Beide Seiten behielten sich allerdings vor, im „gegenseitigen Einvernehmen“ Ort und Zeit der Begegnung abzuändern – nicht der einzige Hinweis auf große Differenzen: Über die Tagesordnung wurde noch keine Einigkeit erzielt.

Das dürre Ergebnis zeigt, daß die Regierung des Christdemokraten Duarte wohl ihr Interesse an einer friedlichen Lösung bekundet, aber nicht bereit ist, der „Front Farabundo Marti“ im Vorweg Zugeständnisse zu machen, weder in Form eines umfassenden Gefangenenaustauschs noch durch Verkündung eines Waffenstillstandes, durch den die Guerilla als Kriegsgegner aufgewertet werden könnte. Der Ort Sesori ist auch denkbar ungeeignet für eine internationale Medien-Show oder für die „Einbeziehung der Bevölkerung in die Diskussion“, was sich die Guerilla zur politischen Aufwertung und Legitimierung gewünscht hatte.

Duartes Haltung entspricht der militärischen Lage. Das vergrößerte und aufgerüstete Heer hat die Guerilla in die Defensive gedrängt: sie kann ihre „befreiten Gebiete“ nicht länger behaupten. Der Krieg ist wieder auf die frühere Stufe des Terrors zurückgefallen, unter dem am meisten die Zivilbevölkerung zu leiden hat. Die Regierung spekuliert darauf, daß ihre Gegner in Sesori die bedingungslose Kapitulation verweigern und sich dann als Kriegsverlängerer bloßstellen werden; die Guerilla rechnet umgekehrt damit, daß Duarte ihre Forderung nach Mitregierung abschlagen und somit die Fortsetzung ihres Kampfes rechtfertigen wird.

Allerdings haben sich beide Seiten in Mexiko einen Ausweg offengehalten. Sie erinnerten gemeinsam an einen Satz aus dem Kommunique des ersten Treffens in Palma: Offen sei noch die „Entwicklung von Mechanismen zur Einbeziehung aller Kreise der salvadorianischen Gesellschaft in die Friedensbemühungen“. Was im Klartext heißt: Gesucht wird ein allgemeiner Kompromiß, der beiden Seiten das Eingeständnis erspart, sie habe kapitulieren müssen. bi