Wenn das alte Mütterlein für die Kilowattstunde Strom fünfzig und der Millionär in seinem vollelektrischen Haushalt nur 25 Pfennig zahlen, müssen sich jedem Gerechtigkeitsfanatiker die Nackenhaare sträuben. Dabei zahlen beide ein durchaus kostengerechtes Entgelt, das sich aus einer Grundgebühr für die Leitung und die vorzuhaltende Kraftwerksleistung sowie aus dem sogenannten Arbeitspreis für die Produktion des Stroms zusammensetzt.

Dadurch wird in der Tat der Strom mit steigendem Verbrauch billiger. Energiepolitiker roter und grüner Couleur sehen darin eine Belohnung der Stromverschwendung, die ihrer Meinung nach schleunigst durch Beseitigung der Grundgebühr und einen gleichen Kilowattstundenpreis für alle abgeschafft werden sollte. Diese auf den ersten Blick plausible Überlegung hat nur einen Haken: Kein Verbraucher verpulvert nur deshalb mehr Strom, weil jede zusätzliche Kilowattstunde billiger ist als die vorhergehende. Wenn schon der Drang nach Tarifreformen nicht zu bändigen ist, dann sollte er sich in einer Richtung bewegen, die der Direktor eines kleinen Versorgungsunternehmens gewiesen hat: Stromverbrauch in Zeiten schwacher Belastung soll belohnt werden. Das spart Kraftwerke und Leitungen in Spitzenzeiten, setzt aber die Installation anderer Zähler voraus, die nicht nur Abnahmemenge, sondern auch Abnahmezeit erfassen. Bei Nachtstromspeicherheizungen klappt das jetzt schon. hgk