Von Sybille Cramer

Der literarische Text sei eine komplizierte Maschine. Sie speichere poetische Energie, die sich in Dichtung umsetze. In dem Maschinenbild steckt die Vorstellung von der Kunst als höherem Mechanismus.

Der da so elegant theoretisiert, der Schweizer Felix Philipp Ingold, ist kein Sprachspieler. Nicht auf die Autonomie des sprachlichen Gebildes hat er es abgesehen, sondern auf die Veränderung der Beziehung zwischen Zeichen und Ding, auf ihre Umdeutung. Die poetische Beschreibung seines literarischen Programms steckt in dem Text, der seinem neuen Buch den Titel gibt –

Felix Philipp Ingold: „Mit anderen Worten“; Hanser Verlag, München 1986; 82 S., 19,80 DM.

Das Kunstwerk als unendlicher Prozeß der Zerstörung und Hervorbringung – und der Künstler nicht als Autor, sondern als Mitspieler des schöpferischen Vorgangs, dessen Spielregeln das Material bestimmt: „Jeder kein Künstler“ heißt der Titel eines Aufsatzes, in dem er, Malewitsch zitierend, den Künstler als „Vorurteil der Vergangenheit“ bezeichnet.

Ingolds neue Prosagedichte führen vor, was das heißt: Literatur als Textuniversum, die Lektüre als Textproduktion, Lesen als Autorschaft.

„... gebucht die Fahrt ins All; und zurück. Wozu verflucht noch mal. Bin und zurück, hingeflegelt zwischen den Kapiteln ganz schön hingerissen. Und zwar so. Daß bei Schwerelosigkeit die eigene Stimme eine durchaus ungewohnte ist. Sicherer gehst du auf Nummer ich. Angenommen sie als Frau sei der rel... der realistische ... der Ausdruck von Lust. Und Faust, der ihren Namen im Mund führt, macht den entspanntesten Eindruck. Der schwört auf Entropie; Begehren, das durch Verbrauch sich schärft: Je mehr desto mehr.