Wir suchten Kuno Drahtig, den Wahlstrategen der Union, in seiner Agentur auf. „Es geht unaufhaltsam aufwärts“, sagte er zufrieden, „das Tief von Tschernobyl ist überwunden. Tschernobyl war für uns eine Katastrophe und kam auch noch im falschen Moment. Jeder mutmaßlich verseuchte Salatkopf konnte uns im nächsten Januar Stimmen kosten. Aber zu unserem Glück haben die meisten Menschen nur ein kurzes Gedächtnis. Und nun blüht unser Weizen wieder.“

Wir fragten: „Stichwort: Weizen. Machen Ihnen die entlaufenen Bauern keine Sorgen?“ – „Kaum. Die haben wir durch ein paar subventionierte Wahlgeschenke wieder eingefangen. Aber der Himmel war uns Christdemokraten gnädig und schenkte uns rechtzeitig einen wachsenden Asylantenzustrom...“

„Wieviel macht so ein Asylant in Wählerstimmen aus?“ fragten wir.

„Zweitausend Asylanten dürften 0,1 Prozent zusätzliche Stimmen bringen.“

„Was macht Sie so sicher, daß die Asylanten der Union Stimmen zuführen?“ wollten wir wissen.

„Die Habgier und Lieblosigkeit vieler unserer Mitmenschen. Dazu die Angst vor Überfremdung. Zum Glück sehen die asiatischen Asylanten ja ziemlich exotisch aus.“

„Wird Ihre Glückssträhne bis zur Wahl anhalten?“