Eine Rettungsaktion bringt die Behörden in Verlegenheit

Von Ulrich Stock

Suez, im August

Flüchtende Vietnamesen geraten auf dem Südchinesischen Meer in Lebensgefahr. Deutsche schicken ein Schiff, sie vor dem Ertrinken zu retten. Eine einfache und schöne Geschichte.

Das Schiff heißt "Cap Anamur II", und es rettete diesmal 357 Vietnamesen. Für Kreuzfahrten taugt das Schiff nicht; es wurde gebaut, um Container zu befördern. Die Geretteten hausen in dem 52 Meter langen, fensterlosen Frachtraum. Sie schlafen auf Matten: Männer, Frauen und Kinder. Ein Kind wurde an Bord geboren.

Vom Duschen mit Meerwasser oben an Deck bekamen viele in den ersten Wochen eitrige Hauterkrankungen. Die Toiletten sind rohe Blechkammern mit Löchern darin. Das spärlich möblierte Schiff sollte die Menschen nur für ein paar Tage beherbergen, von der Rettung im Südchinesischen Meer bis zum Zwischenaufenthalt im philippinischen Puerto Princesa, wo sie sich von den Strapazen auf See erholen sollten, vor der langen Reise nach Deutschland. Daraus wurde nichts.

Im Indischen Ozean türmten sich Wellenberge auf, zu Hunderten lagen die Flüchtlinge seekrank unter Deck. Dutzende hingen nach Tagen geschwächt am Tropf. Das ewige Eingesperrtsein führte zu Spannungen. Es gab Kämpfe ums Essen, Diebstähle, eine Messerstecherei. Auch die deutsche Schiffsbesatzung und die vier Komitee-Mitarbeiter wurden angeknurrt.