Der Gewerkschaftskonzern läßt sich vom Bonner Untersuchungsausschuß vorführen

Von Rainer Hupe

Das war ein klassisches Eigentor. Diether Hoffmann, Chef des gewerkschaftseigenen Skandalkonzerns Neue Heimat, war angetreten, einen Entlastungsangriff zu starten. Die Kulisse stimmte: Einige hundert Meter vom Bonner Bundeshaus entfernt, wo ein parlamentarischer Untersuchungsausschuß immer aufs neue Geschichten über Mauscheleien und Vertuschungen, Bereicherung und Filz bei der Neuen Heimat als Wahlkampfschlager der Bonner Koalition ausbreitet, wollte Hoffmann neue Akzente setzen.

Doch was immer der Nachfolger Albert Vietors seit 1982 angepackt hat, um aus dem angeschlagenen Konzern wieder ein florierendes Unternehmen zu machen und seine Eigentümer aus dem Gerede zu bringen – es ging, aus heutiger Sicht, daneben. Die Neue Heimat wird es schon bald nicht mehr geben, nämlich dann, wenn sie als Wahlkampfmunition für die Konservativ-Liberalen ausgedient hat. Daß sie so leichtes Spiel haben würden, konnten die Politiker von CDU und FDP wohl selbst nicht erwarten. Vor allem in der vergangenen Woche mußten sie sich nicht nur die Bälle im Ausschuß zuspielen, sondern der Manager agierte auch noch unfreiwillig als Punktelieferant. Dabei war seine Taktik gar nicht so falsch, er wurde nur vom Gegner überrumpelt.

Der Bonner Untersuchungsausschuß, der nach offiziellem Auftrag Verstöße der Neuen Heimat gegen das Wohnungsgemeinnützigkeitsgesetz feststellen soll, hatte Hoffmann gebeten, zu einem Bericht der Hamburger Bürgerschaft mit gleichem Thema Stellung zu nehmen. Weil ohnehin alles, was selbst in nicht-öffentlicher Sitzung dort behandelt wird, am nächsten Tag ausführlich in den Zeitungen zu lesen ist, konnte der Chef der Neuen Heimat dafür auch selbst sorgen. Also veranstaltete er am Donnerstag vergangener Woche eine Pressekonferenz in Bonn.

Zunächst lief alles nach Plan. Noch vor Wochen sprach Hoffmann den Hamburger Parlamentariern, die ihr Material in dreijähriger Kleinarbeit zusammengetragen hatten, noch jegliche Kompetenz ab und erwähnte in diesem Zusammenhang auch schon mal den Namen des amerikanischen Abgeordneten McCarthy, der sich in den fünfziger Jahren einen unrühmlichen Namen als unerbittlicher Kommunistenjäger gemacht hatte. Auch von Parlamentsjustiz war da die Rede.

Doch jetzt schlug Hoffmann neue Töne an. Der Hamburger Bericht sei das Werk von „Feierabend-Parlamentariern mit ungeheurem Fleiß“, ließ er wissen und stellte fest, „daß eine Risiken nicht hinreichend erkennende Geschäftspolitik die wesentlichen Ursachen dafür geschaffen hat, daß die wirtschaftlichen Schwierigkeiten, in die sie die Neue-Heimat-Gesellschaften geführt hat, heute nur im Zusammenwirken aller Beteiligten überwunden werden können“. Schließlich habe „das persönliche Fehlverhalten einzelner, auch wenn es in beispielloser Weise geahndet wurde, den Ruf der Neuen Heimat in einer Weise belastet“, daß „mehr Schatten als Licht“ auf sie falle.