In der Tat: Der Geburtenrückgang in der Bundesrepublik führt zu ernsten Problemen. Sie haben ihre Ursache nicht etwa darin, daß die Deutschen als solche weniger werden: „Raum ohne Volk“ – diese Parole braucht niemand zu erfinden. Vielmehr ergeben sich Schwierigkeiten daraus, daß der Altersaufbau der Bevölkerung auf den Kopf gestellt wird. Der Normalfall der Bevölkerungspyramide sieht so aus: Viele Junge, weniger Alte. Aber in nächster Zukunft werden immer weniger Nachgeborene den Ruhestand ihrer Altvorderen finanzieren müssen.

Kein Wunder, daß jeder Bericht über eine Umkehr dankbar aufgegriffen wird – könnte man sich dabei doch denken, daß schon alles nicht so schlimm kommt, sich die Sache vielleicht sogar am Ende von selbst regelt. Dieser Erwartung scheint die jüngste Bonner Meldung zu entsprechen: Im ersten Halbjahr 1985 sind 5,2 Prozent mehr Babys auf die Welt gekommen als in den ersten sechs Monaten des Jahres 1984 – in der Bundesrepublik, versteht sich. Die Familienministerin Rita Süssmuth will zwar keinen Zusammenhang zwischen der Familienpolitik der Koalition und der wachsenden Geburtenzahl herstellen. Aber schön darstellen läßt sich diese Politik bei einer solchen Gelegenheit allemal.

Die Sache hat nur einen Haken. Es gibt, in der richtigen Relation gesehen, keineswegs mehr Babys, sondern nur mehr mögliche Mütter. Die geburtenstarken Jahrgänge stehen nämlich jetzt zur Familiengründung bereit. Solange nicht die Zahl der Kinder pro potentielle Mutter steigt, kann von Trendwende keine Rede sein. R. L.