Von Barbara Yurtdaş

Eine Maschine aus Frankfurt landet auf dem Flughafen Izmir. Die Passagiere – offensichtlich in der Hauptsache Urlauber – warten in bulliger Mittelmeerhitze auf dem Rollfeld auf ihre Koffer. Während das Flughafenpersonal – Männer mit der unvermeidlichen nationalen Schnurrbarttracht – gemächlich Gepäckladung für Gepäckladung auf Wagen herbeifährt und verteilt, habe ich Zeit zu fragen: warum gerade Izmir?

Die Antworten – von „Izmir ist uns empfohlen worden als schöne Stadt“ (ein Rentnerehepaar) bis „wir haben Freunde hier“ (zwei Hamburgerinnen) und „von hier aus kann man viele der antiken Stätten gut erreichen“ (ein „Rucksack-Tourist“) – erklären durchaus das Motiv für die Wahl ausgerechnet dieses Zielflughafens. Allein, wissen sie wirklich, was sie erwartet?

Gewiß: Die Türkei ist in der Bundesrepublik ein zur Zeit gefragtes Reiseziel. Und mit den deutsch-türkischen Handelsbeziehungen steht es auch nicht schlecht. Izmir, drittgrößte Stadt der Türkei und nach Istanbul auch ihr wichtigstes Handelszentrum, lockt daher durchaus schon traditionell eine stattliche Anzahl von Deutschen ins Land. Freilich sind das keine Urlauber. Ende April meldete Çigli, der Flughafen Izmirs, den immerhin beachtlichen Zuwachs an Passagieren aus Deutschland von 30 Prozent.

Ich wohne in Izmir und kenne meine Stadt. Zur Zeit ist sie eine einzige große Baustelle. Gebuddelt wird am Konak, dem Rathausplatz: für eine große, teils unterirdisch geführte Umgehungsstraße. Ein wichtiger Treffpunkt, ein geselliges Zentrum vor der Kulisse einer kleinen Moschee und eines Uhrenturms, mit Stadtverwaltung und Kriegerdenkmal, ist damit für längere Zeit lahmgelegt.

Straßenbau ist in Izmir eine sichere Branche, nicht nur, weil manche Straßenbeläge noch aus den Zeiten vor Atatürk stammen. Oft wird auch Asphaltiertes, eben Zementiertes wieder aufgebohrt, weil gerade jetzt die Telephonleitung oder der Abwasserkanal genehmigt worden ist.

Eifrig gebaut wird selbst an Touristenstätten (vom Bau der Trabantenstädte gar nicht zu reden, von ihnen wird der Gast ja kaum behelligt): so am Kurbad Agamemnon mit den radiumhaltigen Thermen, in denen schon Rheumakranke der Antike ihr Heil suchten. Das noch im Stadtbereich an bewaldeten Siebenzwergenhügeln gelegene Bad arbeitet deshalb nur auf Sparflamme. Schwimmbecken, Therapiezentrum, Dampfbäder, ein 600-Betten-Hotel – alles entsteht neu. Genauso wie auch das groß angelegte Restaurant auf dem nahegelegenen Ausflugsberg, auf den seit Jahren eine Gondelbahn deutschen Fabrikats hinaufschwebt. Bislang lockt da hinauf nur der freilich großartige Blick über die Stadt am Meer.