Die Empfehlungslisten der Banken werden wieder länger

Schneller als erwartet haben die deutschen Aktien wieder Tritt gefaßt. Der deutsche Aktienindex ist – trotz Sommerflaute – wieder bis auf wenige Prozentpunkte an das Rekordhoch von Mitte April herangekommen. Da fällt es den Bankenexperten nicht schwer, mit neuen Empfehlungen wieder größeres Interesse der breiten Anlegerschaft auf sich zu ziehen.

Die Bank für Gemeinwirtschaft (BfG) versucht das mit einer Analyse über Siemens. Das Technologiepapier erlebte in den vergangenen Monaten an den heimischen Börsen einen empfindlichen Rückschlag. Nach einem Hoch von 828 Mark zum Anfang des Jahres purzelte der Kurs auf 558 Mark. Inzwischen erholte sich die Siemens-Aktie jedoch wieder auf über 700 Mark. Damit wurde nach Ansicht der BfG der abwärts gerichtete Trend beendet. Zwar mußten die Münchner in den ersten neun Monaten des Geschäftsjahres 1985/86 einen Umsatzrückgang von 19 Prozent hinnehmen, doch wurde in diesem Zeitraum auch kein Kraftwerk mehr abgerechnet. Ohne diesen Bereich konnte der Umsatz weltweit um ein Prozent gesteigert werden, im Inland sogar um zehn Prozent. Dem Gewinn soll der Umsatzrückgang nach Meinung der BfG-Analysten jedenfalls nicht geschadet haben; sie rechnen unverändert mit 60 Mark Gewinn pro Aktie. Für 1986/87 erwarten sie eine Steigerung auf 70 Mark. Damit würde das Siemens-Papier an der Börse lediglich mit dem 9,5fachen Ertrag bewertet werden und wäre damit die preiswerteste deutsche Elektroaktie.

Obwohl Börsenneuling Escada bereits luftige Höhen erreicht hat, widmet sich die Düsseldorfer Simon-Bank in seiner siebenseitigen Studie diesem Hersteller von Damenoberbekleidung. Die Angebotspalette von Escada enthält hochwertige Konfektion aus Stoffen sowie Strickmoden, Lederbekleidung, Schuhe und Accessoires. Die vergangenen fünf Jahre waren bei dem Unternehmen von einer stürmischen Expansion geprägt. Das Wachstum wurde hauptsächlich vom Auslandsgeschäft getragen, und da besonders von Erfolgen in den USA und in Kanada. Der positive Trend hat sich der Simon-Bank zufolge in den ersten sechs Monaten des laufenden Geschäftsjahres fortgesetzt. Zwar räumt die Bank ein, daß Escada mit einem Kurs/Gewinn-Verhältnis von rund 30 nicht gerade billig ist. Andererseits argumentiert sie, daß der Titel eine Rarität am deutschen Kurszettel darstelle. Das ist freilich auch die Puma-Aktie, die nach dem stürmischen Höhenflug wieder auf den Boden der Realität zurückgefallen ist.

Den Blick über die Grenzen wagen die Landesbank Rheinland-Pfalz und die Adca-Bank. Sie empfehlen ihren Kunden den niederländischen Wert Unilever. Die in Rotterdam ansässige Gesellschaft ist einer der größten Nahrungsmittelhersteller der Welt. So werden etwa fünfzig Prozent des Margarinenmarktes in Europa von der Unilever-Zentrale kontrolliert. Aufgrund der wirtschaftlichen Belebung und der steigenden Realeinkommen trauen die Banken dem Lebensmittelkonzern ein Ergebnis pro Aktie von 42 Gulden zu, weshalb sie den Qualitätstitel als Depotabrundung zum Kauf empfehlen.

„Von einem zweitklassigen Wert zum Blue Chip“ überschreibt das Londoner Brokerhaus James Capel seine umfangreiche Studie über den Reifenhersteller Conti-Gummi. Die Briten gelangen nach intensiven Recherchen zu dem euphorischen Schluß, daß die Conti-Aktie eine Anlage für die neunziger Jahre ist. Dafür zählen sie gleich eine ganze Reihe von Gründen auf. Zunächst wird auf die umfangreichen Modernisierungsmaßnahmen der Hannoveraner in den letzten Jahren hingewiesen. Durch die Einführung innovativer Produkte sei es Conti-Gummi gelungen, den Marktanteil in Europa deutlich zu erhöhen. Eine neue Reifengeneration, die von James Capel als revolutionär bezeichnet wird, garantiere der Gesellschaft für die Zukunft stetig steigende Gewinne. Daher, meint das britische Wertpapierhaus überschwenglich, sei die Conti-Aktie für die nächsten fünf Jahre oder sogar noch länger ein klarer Kauf. Solidus