Von Gunhild Freese

Als sich die Redakteure der Hamburger Morgenpost am vergangenen Freitag um elf Uhr zur täglichen Themenkonferenz im Sitzungssaal einfanden, saß neben Chefredakteur Nils von der Heyde bereits ein unerwarteter Gast: Gerd Schulte-Hillen, Vorstandschef des Hamburger Zeitschriftenverlages Gruner + Jahr.

Auf die Botschaft, die der Chef von stern und Brigitte, Capital und Impulse, Geo, Eltern und Essen & Trinken mitbrachte, hatten die Mitarbeiter der Morgenpost schon lange gewartet: Gruner + Jahr will, wenn das Bundeskartellamt in Berlin seinen Segen gibt, das traditionsreiche Boulevard-Blatt übernehmen. Und die Berliner Wettbewerbshüter werden dieser Fusion nicht im Wege stehen: Schon innerhalb der nächsten zehn Tage ist mit einer Nachricht aus Berlin zu rechnen.

Mit seiner selbst die geschwätzige Pressebranche überraschenden Mitteilung beendete Gerd Schulte-Hillen am 22. August ein Kapitel in der Geschichte der Hamburger Morgenpost, das gewiß zu den unruhigsten des Blattes gehört, wenn wohl auch nicht zu den traurigsten. Das traurigste Kapitel war schon 1980 zu Ende gegangen und wurde von der SPD geschrieben. Noch zu Beginn der sechziger Jahre war die "Mopo" mit einer verkauften Auflage von über 400 000 Exemplaren die Perle im Kranz SPD-eigener Zeitungen.

Das 1949 gegründete Boulevardblatt konnte sich sogar behaupten gegen Springers BILD, die – erst 1952 gegründet – mit der Mopo-Masche zum Riesenerfolg wurde. Nicht BILD bewirkte den Niedergang des SPD-Blattes, den betrieben die Genossen selbst. Mit häufigen Wechseln der Chefredaktion, ebenso häufigen Wechseln der redaktionellen Konzeption – mal wurde eine SPD-Zeitung herausgegeben, dann eine Art Tages-Magazin und schließlich das BILD nachempfundene Blatt –, mit Richtungskämpfen innerhalb der Redaktion und allzu häufigen Versuchen von SPD-Politikern, ihre Vorstellungen direkt ins Blatt zu drücken, vergrämten die Genossen systematisch die Leser.

Wichtige Investitionen in neue Druckmaschinen kamen viel zu spät. So ging 1965 der einträgliche Druckauftrag vom Hamburger Nachrichten-Magazin Spiegel verloren. Druckerei und schließlich auch die Zeitung rutschten in die roten Zahlen.

Ende der siebziger Jahre schließlich stellte der damalige Schatzmeister der SPD, Professor Friedrich Halstenberg, seine Genossen vor eine triste Alternative: Das Blatt muß verkauft oder eingestellt werden.