Deutschlands führender Optiker will anders sein als das Gros der Unternehmer: „Ich mache Geschäfte zum Glück nicht nur um der Geschäfte willen“, nimmt Günther Fielmann für sich in Anspruch. Doch, was immer er anpackt, verstärkt nur sein Image des dynamischen Aufsteigers in der Öffentlichkeit – und seinen Drang, sich dafür zu rechtfertigen.

Vor drei Wochen unterschrieb er in Nicaragua einen Joint-Venture-Vertrag mit dem Instituto Nicaraguense de Seguridad Social y Bienestar (INSSBI), dem Gesundheitsministerium des zentralamerikanischen Staates. Wenn alles so läuft wie geplant, werden Anfang nächsten Jahres in Managua die ersten deutsch-nicaraguanischen Brillen montiert: Fielmann bringt mit 48 Prozent Beteiligung Know-how und Maschinen ein, die Behörde sorgt für Gebäude, Infrastruktur und Vertrieb. Die Brillen, die die Nicaraguaner bisher überteuert einkaufen mußten – das Gesundheitsamt versorgt das Volk mit etwa 80 000 davon im Jahr –, sollen über den Eigenbedarf hinaus in ganz Zentralamerika vertrieben werden. „Um sich selber zu helfen“, so sieht es der deutsche Geschäftsmann, „braucht das Land erst einmal Devisen.“

Mit seinem Engagement will Fielmann anscheinend auch etwas Gutes tun. Und schon bevor der Vorwurf ihn trifft, jetzt mit den Kommunisten Geschäfte zu machen, rechtfertigt er sich: „Die Nicas wollen mit dem Ostblock doch gar nichts zu tun haben – die sind doch so amerikaorientiert. Sie gehorchen nur der Not, wenn sie ihre Waren heute daher beziehen.“ Das politische Risiko seines Engagements hält er für begrenzt. Es sei ein gutes Geschäft für sein Unternehmen – mit eigenem Geschäftsführer und Mittelsmann im Ministerium. Außerdem: „Ich sympathisiere nach wie vor mit der Revolution“, gibt der Unternehmer zögernd zu, „schließlich war Nicaragua vorher die Privatkolonie Somozas.“

Bei der deutschen Optikerzunft kann der Aufbauhelfer sich die Erklärungsversuche für sein Engagement sparen. So oder so wird man den neuesten Fielmann-Coup nicht wohlgesonnen kommentieren – wurde der Optiker durch seine unbequemen Einfälle doch längst zum enfant terrible der Brillenbranche.

Im Herbst 1972 hatte Günther Fielmann mit geliehenem Geld sein erstes Brillenfachgeschäft in Cuxhaven eröffnet. Sofort versetzte er seine Kollegen in Aufregung, als er aggressiv das einheitliche Preisniveau der Branche durchbrach und die Gestelle um einiges billiger verkaufte. Mehr noch: Kunden, die auf Krankenschein eine Brille verlangten und ein – wie üblich – zeitlos häßliches Gestell erwarteten, konnten bei ihm aus einem großen Sortiment modischer Modelle auswählen.

Der Kraftakt fiel dem Jungunternehmer bei den Brillenpreisen nicht schwer: Die Optiker, die sich, wie Fielmann unkt, „als Gesundheitshandwerker verstehen, die Bruchbänder und Holzbeine verkaufen“, machten mit jeder Brille ansehnlichen Gewinn. Fielmann begnügte sich mit einem Bruchteil dessen und bot dem Kunden außerdem drei Jahre Garantie und Rückgabe bei Nichtgefallen. Mit dem so eingängigen Slogan „Und mein Papi hat nicht eiiinen Pfennig dazubezahlt“ gewann er in kürzester Zeit die Brillenträger für sich.

Heute hat der Newcomer längst alle Kollegen hinter sich gelassen. Im März dieses Jahres übernahm er für eine zweistellige Millionenzahl die 22 Fachgeschäfte des Optikers Jürgen Lühmann, mit dem er einst die Schulbank drückte. Seitdem besitzt „der Rächer der Bebrillten“, wie ihn die Zeitschrift Szene Hamburg tituliert, als größter deutscher Optiker III augenoptische Fachgeschäfte und beschäftigt 1439 Mitarbeiter. Von Kostendämpfung im Gesundheitswesen spürt die Fielmann-Kette nichts: 1985 legte der Optiker mit einem Umsatz von 198,4 Millionen Mark noch 27,9 Prozent zu.