Wasserstoff soll in der Welt von übermorgen den Energiehunger der Menschheit stillen

Von Reiner Klingholz

Seine Königliche Hoheit, Carl XVI. Gustav erwies sich als erstaunlich trinkfest. Die Gemahlin zur Rechten und gut beschirmt gegen den schwedischen Nieselregen, hob er das Glas und nahm einen ordentlichen Schluck: Skål! Etwas fade, befand der König, aber ansonsten eine feine Sache.

Kein Wunder: Solch einen Klaren, wie ihn der Ingenieur Olof Tegström eingeschenkt hatte, schluckt selbst ein König nicht alle Tage. Immerhin stammte das Zeug aus dem Auspufftopf von Olofs weißem Saab 900 und war nichts anderes als Wasser – schlichtes, reines Haa-zwo-ooh.

Mehr als Wasserdampf und eine marginale Menge an Stickoxiden gibt jenes schwedische Musterauto nicht von sich: Kein Kohlendioxid, kein Kohlenmonoxid, kein Ruß und kein Schwefeldioxid, auch keine Bleiverbindungen oder irgendwelche Kohlenwasserstoffe – nichts von alledem, was unsere geliebten und stinkenden Blechmilben so in Verruf gebracht hat.

Saubermann Tegström fährt ein vatgasbilen, ein Wasserstoffauto. Und das ist nicht das einzig Ungewöhnliche an dem Mann aus der nordschwedischen Kleinstadt Härnösand. Hinter seinem schmucken Einfamilienhaus dreht sich ein 30 Meter hoher Windgenerator, der das Anwesen mit Strom und Warmwasser versorgt. Der 55 Kilowatt leistende Propeller erwirbelt freilich mehr Elektrizität, als die Familie Tegström unmittelbar verbrauchen kann. Was übrigbleibt, fließt in den Keller des Hauses und dort in eine metallene Kiste, aus der allerlei Drähte und Schläuche ragen – eine Elektrolysekammer: Darin zerlegt der überschüssige Strom aus der Windmühle pro Stunde etwa einen Liter Wasser in seine gasförmigen Bestandteile Wasserstoff und Sauerstoff.

Für den Sauerstoff interessiert sich der schwedische Ingenieur wenig. Aber den Wasserstoff – aus einem Liter Wasser kommt ungefähr ein Kubikmeter Gas zusammen – leitet er in einen Drucktank. Mit dem brennbaren Gas befeuert er den Herd des Hauses – und er betankt seine 100 PS Limousine. Der nur geringfügig modifizierte Saab-Motor verbrennt den Wasserstoff mit dem Sauerstoff aus der Luft letztlich zu dem "Abgas" Wasser. Eben eine feine Sache.