Wir haben ja nichts gegen Tests", sagt Erdwig Meyer, Sprecher des Chemiekonzerns BASF in Ludwigshafen. Viele Firmen schmücken sich auch mit den Ergebnissen. Aber die Tests müssen sorgfältig sein." Die BASF streitet sich derzeit mit der Berliner Stiftung Warentest, weil sie meint, daß ihre Video-Kassetten nicht sorgfältig getestet worden seien.

Der Streit könnte sich selbst zu einem Testfall entwickeln. Es gebe, so Meyer, Zeichen der Zustimmung aus der Industrie, denn auch andere Produzenten beklagten sich über mangelhafte Testmethoden der Stiftung.

Auch der Vorstand der Stiftung Warentest, Roland Hüttenrauch, spürt: "Der Wind bläst uns schärfer ins Gesicht als früher." In den letzten beiden Jahren habe es jährlich rund zehn Prozesse gegen die Stiftung gegeben. Bei 1500 Qualitätsurteilen im Jahr sei das zwar recht wenig, und die meisten Prozesse würden auch gewonnen; aber in den Jahren davor habe es höchstens zwei bis drei Klagen gegeben.

Die BASF rügt im übrigen auch, daß der Abstand zwischen den Ergebnissen "gut" und "mangelhaft" technisch so schmal sei, daß er für den Verbraucher praktisch irrelevant und nicht merkbar sei. Die Stiftung Warentest dagegen meint, daß bei Seh- und Hörprüfungen die schlechte Bild- und Tonqualität der getesteten BASF-Produkte bestätigt worden sei.

Die BASF, deren VHS-Video-Kassette vom Typ "E 180 Chromdioxid Extra Quality" im Juli-Heft der tot-Zeitschrift mit dem Prädikat "mangelhaft" belegt worden ist, beklagt seitdem Umsatzeinbußen in Millionenhöhe. Große Einzelhandelsunternehmen nehmen grundsätzlich Waren aus ihrem Sortiment, die bei Warentests schlecht abschneiden.

Natürlich meint die BASF, daß ihre Video-Bänder alles andere als mangelhaft seien. Fachzeitschriften wie Video, Video aktiv, Video Magazin und Video World hatten die gleichen Kassetten in ihren Tests mit guten Ergebnissen eingestuft. Es liege nicht an der Bandqualität, sondern an der Qualität des Tests, wenn die Stiftung Warentest – die im übrigen gar nicht selber getestet habe – zu anderen Ergebnissen komme, meinen die Ludwigshafener Kassetten-Hersteller.

In einem Antrag auf Erlaß einer einstweiligen Verfügung gegen die Stiftung Warentest hat die BASF freilich den kürzeren gezogen. Dem Landgericht Frankfurt hatte sie vorgetragen, daß bei dem Test ein falsches Referenzband gewählt worden sei. Ein Referenzband ist sozusagen das ideale Standardband; bei Tests wird gemessen, ob die geprüften Bänder davon abweichen. Das übliche Referenzband stammt von der japanischen Firma JVC, die das VHS-System entwickelt hat.