Teneriffa, die größte der sieben Kanarischen Inseln, ist nicht nur ein beliebtes Reiseziel der Deutschen, sondern auch Flitterwochenziel der Festland-Spanier. Hinzu kommt eine Bevölkerungsdichte, die mit rund 470 000 Menschen auf 2050 Quadratkilometern doppelt so hoch ist, wie die der „Peninsula“. Unausbleibliche Frage bei derartiger Belastung: Wohin mit dem Müll?

Damit aus der „Hochzeitsinsel“ keine „Müllinsel“ wird, haben sich Organisationen mit hehren Zielen konstituiert. So will Antonio García Villareal, Organisations- und Pressechef der „Agrupación turistica zona Playa de las Americas“ zusammen „mit den Behörden, privaten Unternehmen aus der Region und natürlich auch mit den Urlaubern und Anlegern“ für „Sauberkeit, Lärmverminderung und Schaffung von Grünanlagen“ sorgen.

Konkret geht es freilich zunächst darum, die rund 220 wilden Mülldeponien der „isla amable“, der liebenswerten Insel, verschwinden zu lassen. Sie bleiben den meisten Touristen zwar verborgen, weil sie hinter irgendwelchen Mauern oder im unwegsamen Gelände versteckt sind. Doch längst schon machten sie sich indirekt bemerkbar. Vom Insel-Gouvernement mit Untersuchungen beauftragte Wissenschaftler befürchteten schon das Schlimmste für Klima, Grundwasser und schließlich für die touristische Entwicklung.

Erster Akt war also ein „Insel-Plan“, nach dem systematisch sämtlichen Problembereichen auf den Leib gerückt werden soll. Und erste Planziele sind mit dem Bau von Kompostierungsanlagen, in denen organische Abfälle verarbeitet und – beispielsweise als Dünger – wiederverwertbar gemacht werden, auch schon erreicht. Was mit den festen Abfallstoffen geschehen soll, weiß man aber noch nicht endgültig. José Segura Clavell, Präsident des Inselrats: „Es gibt derzeit keine Müllvernichtungsart, die unserer Insel individuell gerecht würde.“

Jahrelang sind die Experten deshalb durch Europa gereist, auch auf andere Inseln, und haben nach Lösungsmöglichkeiten gesucht. Gefunden haben sie nichts. So ist man derzeit ein wenig stolz auf ein provisorisches Vorhaben, das sich zunächst etwas verrückt anhört: Man hat große unterirdische „Bunker“ gebaut, wo hinein die festen Abfallberge kommen sollen, die sich immerhin auf rund 650 Tonnen am Tag belaufen. Die Sicherheitsvorkehrungen sind extrem, nichts soll ins Grundwasser sickern, nichts die Luft verpesten.

Dreißig Jahre hat man nun Zeit, sich über die rechte Art der Abfallbeseitigung Gedanken zu machen, solange reichen die Kapazitäten dieser Bunker. Bis dahin wird der Müll also von Sattelschleppern mit Spezial-Containern gesammelt, in denen der Müll erst auf Miniformat zusammengepreßt und dann in die Abfallbunker versenkt wird.

Die teilweise hohen Transportkosten nehmen die Inselverantwortlichen in Kauf, um nicht das gesamte Eiland mit Baustellen zu übersäen. Die Kanarischen Inseln sind im übrigen bei solchen Entscheidungen – als autonome Regionen – völlig auf sich selbst gestellt. Auch was die Bezahlung angeht: Allein die Beseitigung der wilden Deponien kostet 77 Millionen Peseten, rund 1,3 Millionen Mark, für den kompletten Inselplan hat man mehr als eine Milliarde Peseten, also etwas mehr als 16 Millionen Mark, veranschlagt. Jochen Dersch