Das Nein aus Washington auf den Moskauer Wunsch ließ nicht lange auf sich warten. Der Kreml hatte darum gebeten, als Beobachter an der kommenden Welthandelsrunde teilnehmen zu können – jenem Verhandlungsmarathon des Allgemeinen Zoll- und Handelsabkommens (GATT), das Mitte September im uruguayischen Badeort Punta del Este startet. In den Augen der Amerikaner passen die Sowjets nicht in diesen Klub der 91 Staaten, die sich um den gegenseitigen Abbau von Handelshemmnissen kümmern. Eine zentral gelenkte Wirtschaft hat nichts mit den Marktwirtschaften westlicher Prägung gemein, gibt das Weiße Haus zu bedenken.

Was vordergründig als ökonomisch unvereinbar hingestellt wird, hat in Wahrheit politische Gründe. In den sechziger Jahren nämlich handelten die Amerikaner noch anders. Damals besorgten sie den Polen das Entree in die Welthandelsrunde.

Dabei hätte es Vorteile für alle Beteiligten, wenn ein Vertreter der Sowjetunion mit am Tisch säße. Michail Gorbatschow verspricht sich davon auf lange Sicht die Mitgliedschaft im GATT und letztlich einen besseren Warenaustausch mit den westlichen Ländern; die wiederum könnten vom neuen Gesprächspartner verlangen, daß er seine Karten offen auf den Tisch legt, wenn Wirtschaftsfragen diskutiert werden.

Washington hat kein Vetorecht, was das Mitmachen Moskaus im GATT anbelangt. Doch eines ist zu befürchten: In Bonn wie in den meisten anderen Hauptstädten wird den Amerikanern nicht widersprochen. kah