In Haithabu, am Haddebyer Noor, ließen sich vor mehr als tausend Jahren die Wikinger nieder. Sie gründeten einen internationalen Handels- und Umschlagplatz, mit einem Hafen und vielen Produktionsstätten – es war die erste Stadt Nordeuropas außerhalb des römischen Einflußbereichs.

Seit dem vergangenen Jahr steht am Haddebyer Noor das "Wikinger Museum", eine kleine Stadt aus sieben wabenähnlich zusammengefügten Holzhäusern. Tief in die Erde geduckt, von schweren Bleidächern geschützt, ähneln sie ans Ufer gestülpten Booten. Drinnen ist zu sehen, was in einem der größten archäologischen Forschungsprojekte Deutschlands in achtzig Jahren oder drei Forschergenerationen über die Wikinger in Erfahrung gebracht worden ist. Alltagsgegenstände der Wikinger und Schiffsreste stehen zur Schau, außerdem werden die Besucher in den nächsten zwei Jahren miterleben können, wie allmählich das 1979 geborgene "königliche Schiff" wieder aufgebaut wird.

Das größte Museum Schleswig-Holsteins ist das Landesmuseum in Schloß Gottorf, es ist ein wahres Ungetüm, vollgestopft mit volkskundlichen und kunstgewerblichen Stücken, mit der größten vorgeschichtlichen Sammlung Deutschlands und, und ... Masse ist ein Eindruck, der in Gottorf vom ersten Augenblick an immer wiederkehrt. Der Parkplatz bereits, riesig und direkt vor dem Schloß, wirkt gerüstet für einen Ansturm aufs Volksfest. Mit Recht. Denn die Menschen strömen herbei – und das scheint den unersättlichen Ehrgeiz zu rechtfertigen, alles haben zu wollen, alles zeigen zu können.

Letztes Jahr hat ein neues "Museum für die Kunst des 20. Jahrhunderts" in Gottorf seine Pforten geöffnet. Es befindet sich im sogenannten Kreuzstall, dem liebevoll restaurierten Zentralgebäude der alten Stallungen, die in der Mitte des 19. Jahrhunderts für die dänischen Kavallerieeinheiten gebaut wurden. Auf 2100 Quadratmetern Ausstellungsfläche wird eine Sammlung moderner, vor allem schleswig-holsteinischer Kunst präsentiert.

Zu den Bildern bemerkte jemand boshaft: "schleswig-holsteinische Ladenhüter". Und da für die drei Geschosse in der Tat viele Gemälde gebraucht werden, sind auch die meisten bestenfalls zweit- oder drittklassig zu nennen. Von wohl bald zweihundert Künstlern ist in den meisten Fällen gerade jeweils ein Werk ausgestellt. Allein die Großen wie Nolde, Heckel, Felixmüller oder Schmidt-Rottluff sind mit jeweils zwei bis vier Arbeiten fast schon üppig vertreten. Die Schau gleicht eher einer Dokumentation ohne besonderen Drang zu Schwerpunkten.

Ein Kontrastprogramm dazu kann man sich in Kiel vor Augen führen. In der Landeshauptstadt ist nach Jahren jetzt die Kunsthalle aus ihrem Dornröschenschlaf erwacht. Gegenüber all den stolzen Superlativen im Museumsbau der letzten Jahre nimmt sich die Sammlung eher bescheiden aus – nicht fürstlich, sondern gutbürgerlich. Aber der Gast findet eine behagliche Atmosphäre und interessanten Gesprächsstoff. Vorzüge, die man eher in einem Privathaus vermutet als in einer öffentlichen Kunsthalle mit ordentlichen Öffnungszeiten, ordentlichen Aufsehern und einer ordentlichen Hängung.

Gerade letztere zeichnet die Kieler Kunsthalle vor den meisten Museen aus. Die Museumsleute fügten alt und neu, thematisch Gleiches und Gegensätzliches zusammen. Ein gutes Beispiel ist der Raum, in dem zwei schöne Biedermeierbilder von Georg Friedrich Kersting neben Arbeiten von Albers und Calderara hängen. 19. und 20. Jahrhundert, naturalistische und abstrakte Malerei: Der Betrachter spürt die Verwandtschaft in der Stimmung dieser Bilder.