Im Triumph kehrte Benazir Bhutto vor vier Monaten aus ihrem Londoner Exil nach Pakistan zurück. Hunderttausende jubelten der Tochter des früheren Ministerpräsidenten Zulfikar Ali Bhutto zu, der 1977 vom jetzigen Präsidenten Zia ul-Haq gestürzt und zwei Jahre später hingerichtet worden war. Vom Taumel der Massen ließ Benazir Bhutto sich mitreißen: Sollte nicht auch ihr gelingen, was Corazon Aquino auf den Philippinen vermocht hatte – durch gewaltfreien Widerstand einen Diktator in die Knie zu zwingen?

Die Parolen ähnelten sich: „people power“ in Manila, „people pressure“ in Karachi und Lahore. Aber anders als auf den Philippinen stützt im islamischen Pakistan keine mächtige katholische Kirche die Opposition. Die verbündeten Vereinigten Staaten setzen auf Zia. Sie wünschen im Nacht land Afghanistans keine politischen Turbulenzen. Außerdem: Zulfikar Ali Bhutto regierte ähnlich despotisch wie jetzt Zia; deshalb hängt ihm nicht der Mythos des Märtyrers an wie dem ermordeten philippinischen Oppositionsführer Benigno Aquino.

Das „Wunder von Manila“ wird sich in Pakistan nicht wiederholen. Benazir Bhutto mußte erleben, daß der Protest gegen ihre Verhaftung rasch abflaute. Präsident Zia, der Ende Dezember das Kriegsrecht aufhob, wird die Zügel jetzt wieder straffen. Benazir Bhutto hat Wind gesät, Pakistan erntet Sturm. M. N.