Nur eine Erde

„Unsere Erde beherbergt kapitalistische und sozialistische Staaten. Wir haben nur diese eine Erde, die nicht vernichtet werden darf.“ Nicht der Inhalt dieses Zitats aus dem Neuen Deutschland läßt aufhorchen, sondern der Name des Urhebers. Klaus Fuchs, 74jähriger Physikprofessor, ZK-Mitglied der SED und „Vorsitzender der Räte für Probleme der energetischen und mikroelektronischen Grundlagenforschung“ der DDR-Akademie der Wissenschaften, spielte vor vier Jahrzehnten eine historische Rolle am Beginn jenes nuklearen Wettrüstens, vor dem er heute warnt. Der in England naturalisierte junge Wissenschaftler aus Deutschland hatte an der Entwicklung der ersten amerikanischen Atombombe mitgearbeitet. 1946 wurde er als sowjetischer Agent entlarvt. Nach 13 Jahren im britischen Gefängnis wurde der Atomspion 1959 in den Osten abgeschoben; seitdem – so erfährt der ND-Leser, dem die Agentenkarriere des ZK-Mitglieds verschwiegen wird – wirkt Fuchs „führend in der Kernforschung der DDR“.

Illegaler Marx

Panamas oberste Kulturbehörde hat die Staatsbibliothek angewiesen, alle Bücher mit „marxistischem Inhalt“ aus ihren Beständen zu entfernen. Natürlich haben Wissenschaftler und Intellektuelle gegen diese Intoleranz des Nationalen Kulturinstituts protestiert, zumal die Definition – marxistischer Inhalt – jede Auslegung zuläßt. Die Behörde, im Fettnapf stehend, trat mit ihrer Antwort zielsicher in den zweiten: Diese Bücher, die „keinen bedeutenden Beitrag zum kulturellen Erbe Panamas“ darstellen, seien „illegal“ in die Regale der Staatsbibliothek gelangt. Oder in anderen Worten: an der Zensur vorbei.

Teure Abgeordnete

Was kosten die europäischen Demokratien? Diese Frage beschäftigte das englische Wirtschaftsmagazin Economist. Das Ergebnis: Die französischen Deputierten stellen sich mit einem jährlichen Gehalt von umgerechnet mehr als hunderttausend Mark mit Abstand am besten im europäischen Vergleich - dicht gefolgt von Bundesdeutschen und Italienern. Wie kläglich macht sich dagegen das Jahreseinkommen der portugiesischen Parlamentarier mit nur 20 000 Mark! Doch Gehälter sind nicht das einzige, was das Volk seinen Vertretern zahlen muß; die italienischen Abgeordneten dürfen zum Beispiel im Inland kostenlos Zug und Flugzeug benutzen und dreimal im Jahr auf Kosten der Staatskasse ins europäische Ausland fliegen. Aber auch wenn man die Gesamtkosten vergleicht, zahlen die Franzosen am meisten für ihre Vertreter: Jeder Abgeordnete in Paris kostet seine Wähler jährlich 900 000 Mark. Britische und spanische Parlamentarier machen ihre Arbeit zum halben Preis. Am teuersten aber ist die Demokratie – laut Economist – in den Vereinigten Staaten: Im amerikanischen Repräsentantenhaus kostet jeder einzelne Abgeordnete den Steuerzahler im Jahr mindestens zwei Millionen Mark.