Von Cordt Schnibben

Der Filmheld Rambo tötet in neunzig Kinominuten 43 vietnamesische Soldaten. Der Lieutenant William Calley Jr. ermordete in neunzig Minuten 102 vietnamesische Bauern. Warum gibt es über Calley noch keinen Film?

Das Juweliergeschäft „V. V. Vick“ liegt in einem großen Einkaufszentrum von Columbus, Georgia. Die schwere Glastür läßt sich leicht öffnen. Aus dem Hintergrund des weitläufigen Ladens kommt eine junge Verkäuferin auf mich zu. „Kann ich Ihnen helfen?“ – „Ich suche William Calley...“

– „Ja, bitte, dort der Herr, der ist Mr. Calley.“ Sie zeigt auf einen Mann in einem grauen Anzug mit Weste, der hinter einer Schmuckvitrine sitzt. Er hat meine Frage gehört, schaut herüber. Während ich auf ihn zugehe, senkt er den Blick und guckt erst wieder auf, scheinbar überrascht, als ich um anspreche.

„Mr. Calley?“

„Ja? ...“

„Ich möchte mich gern mit Ihnen unterhalten.“

„Worüber?“

„Über das Massaker von My Lai.“ Eine leichte Röte huscht über sein helles, fleischiges Gesicht. Die eine Hand fährt über die Stirnglatze, die andere greift nach einem Geschäftsformular. Calley starrt aus wässerigen Augen von seinem Stuhl hoch. Das Telephon auf dem Schreibtisch neben der Vitrine klingelt. Schnell hebt Calley den Hörer ab. Ein Geschäftsfreund muß am anderen Ende sein, Calley bedankt sich wortreich für irgendeine Hilfeleistung. Während des Gesprächs richtet er unablässig seine silberne Krawatte, „...den Rest wird die Versicherung klären“.

Calley legt auf und schaut wieder hoch. „Was wollen Sie?“ – „Über das Massaker sprechen.“ – „Sind Sie Journalist? Ohne Anwalt sage ich nichts. Ich sage überhaupt nichts. Ich habe genug Ärger gehabt, damals.“ Wie er heute über den Vietnamkrieg denke, frage ich. „Wenn Sie über Vietnam reden wollen, dann machen Sie das doch mit Jimmy Carter, der wohnt ein paar Straßen weiter!“

Obwohl Calley auch durch hartnäckiges Nachfragen nicht dazu zu bringen ist, sich zu äußern, macht er keine Anstalten, mich hinauszuwerfen. Er will zwar nichts sagen, scheint aber froh, gefragt zu werden. In seinem Blick liegt Angst und Trotz. Je länger ich frage, um so mutiger wird Calley. „Na ja, eine Heldentat ist das damals wohl nicht gerade gewesen“, sagt er schließlich und versucht, ironisch zu lächeln. „Aber ich mochte darüber nicht reden, wirklich nicht.“ – „Warum nicht?“ – „Dann fängt alles von vorne an, und die Tür steht nicht mehr still.“

Die fünf Verkäuferinnen des Ladens sind etwas näher an uns herangerückt, jede ist damit beschäftigt, irgendwelche Ringe, Uhren und ähnliches in den Vitrinen zu ordnen. Calley spricht nicht besonders leise, man hat nicht den Eindruck, daß er den Inhalt unseres Gesprächs verheimlichen möchte. „Ich bin in My Lai gewesen, Mr. Calley, und habe mit dem Mädchen gesprochen, das Sie damals nicht getötet haben.“ Calley guckt unbeeindruckt, wenn auch vielleicht etwas verlegen. Er grübelt, spielt mit einem Formular. Ich sage ihm, daß er ruhig mit seinem Anwalt sprechen solle. Wenn er es sich überlegt habe, könne er mich hereinholen, ich säße draußen im Auto.

Pan Thi Trinh zeigt zwischen zwei Bananenbäumen hindurch auf einen Graben. „Hier an dieser Stelle haben sie gelegen, über hundert Frauen, Kinder und Babys, und alle voller Blut.“ – „Was ist passiert, an jenem 16. März 1968?“ – „Ich war an dem Morgen sehr früh wach“, erzählt die junge Frau, die damals ein lOjähriges Mädchen war. „Ich hörte in der Ferne die Hubschrauber. Wir krochen schnell in unsere Erdlöcher. Eine Stunde lang explodierten Granaten, knatterten Maschinengewehre. Dann war es still. Ich dachte, alles sei vorbei und kroch heraus. Aber da standen drei Soldaten vor mir, auch ein Neger. Die schrien mich an, ich verstand aber nichts. Sie schlugen mit den Gewehren und trieben uns zu unseren Nachbarn und schossen auf uns. Meine Mutter fiel um. Ich hatte einen Schuß im Arm. ‚Lauf weg‘, flüsterte meine Mutter. ’Lauf weg, ganz weit weg.‘ Ich lief nach hinten in eine Kammer, dort lag schon meine Tante mit ihrem Baby. Wir hatten Angst, weil es so laut weinte. Sie haben von draußen in die Kammer geschossen. Das Baby hörte auf, aber dann fing es wieder an, und die Soldaten kamen zurück. Wir hörten ihre Stiefel. Ich lag unter meiner Tante, Sie hat viele Kugeln abgekriegt, ich nur drei. Sie hat geflüstert: ‚Sei still, sei still.‘ Da bin ich eingeschlafen.

Später bin ich aufgewacht. Alles war still. Meine Tante lag tot über mir. Meine Großmutter hatte sich in einem Schrank versteckt, jetzt hing sie halb heraus, die Kugeln waren durch das Holz gegangen. Draußen lag meine Mutter, ihr halbes Gesicht war weg. Viele Häuser brannten, etwas weiter fand ich meine Geschwister, daneben meinen Freund Huang. Dann bin ich an diesen Graben gekommen. Er war voll mit roten Leibern.“

Dort fanden Bauern aus dem Nachbardorf die bewußtlose und blutende Pan Thi Trinh und brachten sie ins Krankenhaus. Fünf Dorfbewohner überlebten das Massaker; 507 starben an diesem Morgen, unter ihnen 173 Kinder, 76 Babys und 60 Greise.

„Glückwünsche den Offizieren und Mannschaften zum ausgezeichneten Gefecht“, telegraphierte General Westmoreland, damals Oberbefehlshaber der US-Streitkräfte in Vietnam, an die Einheit „Charlie Company“, welche die Unbewaffneten hingerichtet hatte. „128 Gegner im Kampf getötet, 13 Verdächtige festgenommen und drei Waffen erbeutet“ – so hieß es im offiziellen Gefechtsbericht von „Charlie Company“ über das Massaker. Die Aktion prangte auf den Titelseiten der amerikanischen Zeitungen, als großer Schlag gegen die Vietcong, als erfolgreichste Aktion der „Americal“-Division im gesamten Vietnamkrieg. 18 Monate später erfuhren die Amerikaner und der Rest der Welt, was in My Lai wirklich passiert war – eigentlich nur durch Zufall.

Der Soldat Ron Ridenhour, dem Kameraden vom Massaker berichteten, hatte nach seiner Entlassung aus der Army, ein Jahr nach dem Vorfall, einen Brief verfaßt und ihn an 30 Personen geschickt, unter anderem an Präsident Richard Nixon, Senator Edward Kennedy und verschiedene Abgeordnete. Nur zwei der Abgeordneten gingen den Vorwürfen nach und veranlaßten eine (streng geheime) Untersuchung der My-Lai-Aktion. Der Journalist Seymour Hersh kam dahinter und veröffentlichte seine Story in 30 kleineren Zeitungen, nachdem zwei große abgewinkt hatten. Kurz darauf tauchten in Zeitungen Photos vom Massaker auf, aufgenommen vom damals beteiligten Army-Photographen, der sie nun – als Zivilist – für 55 000 Dollar verkaufte.

Amerika war schockiert: Amerikanische Soldaten, Vorkämpfer für Freiheit, Demokratie und Menschenrechte, entlarvt als Bande von Massenmördern, die unschuldige Frauen, Babys und Greise schlachteten. Unter dem Druck der Öffentlichkeit setzte die Army eine offizielle Untersuchungskommission ein. Ein Name tauchte in allen Berichten immer wieder auf: Lieutenant William Calley Jr.

Calley damals: „Unser Hubschrauber war der erste, der an dem Dorf ankam. Wir sprangen heraus und suchten Deckung. Unsere Bomber bearbeiteten das Dorf noch. Dann kam unser Einsatzbefehl. Wir begannen mit schwerem Feuer ... Das ist die amerikanische Taktik: Feuerübergewicht erkämpfen und sie halten. Wir halten den Feind am Boden. Darum ist die amerikanische Armee die beste, die es gibt... Es war kein Abwehrfeuer des Vietcong zu hören. Wir marschierten in Linie auf das Dorf zu. Wegen der Häuser und Bäume war sie nicht zu halten ... Ich kam an ein großes Haus aus Steinen und guckte durch ein Fenster. Sechs oder acht Menschen lagen auf dem Boden. Ein Mann ging gerade zum Fenster. Ich erschoß ihn. Dann stand da ein Mann am Kamin, sah aus, als ob er da rausgekrochen sei. Ich erschoß ihn ... Einer von meinen Leuten hatte sich ein vietnamesisches Mädchen geschnappt, seine Hosen waren schon runter. Es mag altmodisch klingen, aber ich bin gegen Vergewaltigung im Gefecht Das gehört nicht zu unserem Job, das lenkt nur ab ... Meine Männer hatten eine große Gruppe von Dorfbewohnern zusammengetrieben. Wir kamen zu langsam voran. Über Funk beschwerte sich Captain Medina, warum wir so lange brauchen. .Beseitigen Sie diese Leute, aber schnell.’ Ich sagte zu Mitchell: ‚Stell dein Maschinengewehr da bei den drei Bäumen auf ...“ Etwas weiter, an einem Wassergraben, hatten meine Leute einen Haufen Vietnamesen vor sich und schossen auf sie. Ich stellte mich dazu und hielt auch hinein.“

Die Untergebenen von Lieutenant Calley schilderten während der Untersuchungen das Vorgehen ihres Vorgesetzten detaillierter. Paul Meadlo, von dem Calley sagte, er sei ein perfekter Soldat, einer, der nie Fragen stelle, sagte aus: „Wir hatten 30 bis 40 Dorfbewohner zusammen und bewachten sie. Lieutenant Calley kam und sagte: ‚Ich will sie tot.‘ Er trat ein paar. Schritte zurück, stellte seine MP auf Automatik und feuerte los. Er sagte, ich soll ihm helfen. Ich schoß auch. Wir wechselten sechs- oder siebenmal die Magazine ... Danach trieben wir 70 bis 100 Leute in einen Graben. ‚Da wartet noch ein anderer Job auf uns, Meadlo‘, sagte der Lieutenant. Ich konnte nicht mehr, ich begann zu heulen. Calley feuerte in den Graben und ich auch ...“

Grenadier Conti: „Ich sah das Mündungsfeuer, schaute nach unten und sah eine Frau, die versuchte, noch hochzukommen. Lieutenant Calley zielte auf sie und schoß ihren halben Kopf weg.“

MG-Schütze Olsen: „Im Graben waren in der Mehrzahl Frauen, Kinder, Babys. Manche schienen schon tot zu sein, andere verfolgten mich mit ihren Augen, als ich den Graben überquerte.“

Funker Sledge: Jemand schrie, da ist ein Kind. Es rannte ins Dorf zurück. Lieutenant Calley lief hinterher, grabschte den Kleinen am Arm, warf ihn in den Graben und schoß.“

Calley: „Babys! Die kleinen unschuldigen Babys! Falls Ihr Sohn eines Tages von diesen Babys getötet wird, werden Sie mich anschreien: Warum haben Sie damals diese Babys nicht umgelegt?“

Im Juwelierladen V. V. Vick herrscht reger Betrieb. Ein Geschäft mit Renommee, das sieht man den Leuten an, die es an diesem Morgen betreten. Das Geschäft gehört Calleys Schwiegervater, Calley ist Geschäftsführer. Durch das Schaufenster sehe ich ihn an seinem Schreibtisch sitzen, sehe ihn telephonieren, essen, schreiben, dösen, seine Goldrandbrille putzen. Manchmal tritt eine Verkäuferin vor ihn, sagt etwas, er lächelt freundlich, antwortet, sie geht wieder. Sie scheinen ihn zu mögen.

Nebenan im „Sweetbriar Smokeshop“ wissen die Leute, wer William Calley ist, aber sie äußern sich über ihn weder besonders begeistert noch besonders abschätzig. Ein berühmter Nachbar, bescheiden, nett und grüßt immer. Die Verkäuferin in „White’s Bookstore“ schildert ihn als ausgesprochen höflich. Alle sprechen von ihm, als sei er ein in Ehren ergrauter Baseballstar.

„O ja, ich habe Mr. Calley immer bewundert und respektiert“, sagt Jack Mickells, in den siebziger Jahren Bürgermeister von Columbus. „Er ist einer der besten Männer, die ich je kennengelernt habe. Er spendet für alle noblen Zwecke. Ich würde alles für ihn tun. Wir haben ihn den ganzen langen Weg unterstützt.“

Entdeckt haben die Bewohner von Columbus ihren hervorragenden Bürger am 5. September 1969. Bis zu diesem Tag war William Calley Jr. ein Niemand: Der 666. Beste eines Jahrganges von 731 Schülern auf der High School, der 120. von 156 Offiziersanwärtern auf der Militärschule in Fort Benning. Zwischen Schule und Militär war er als Tellerwäscher, Busschaffner, Versicherungsdetektiv gescheitert; ein 160 Zentimeter kleiner, unscheinbarer 24jähriger ohne Freund und Freundin, für den der Krieg die letzte Chance war, aus seinem Leben noch etwas zu machen. Seine 26 Untergebenen dirigierte er mit dem Standardsatz: „I’m the boss.“ Er erkämpfte sich einen „Bronce Star“ und das „Purple Heart“ und verlängerte freiwillig seinen Dienst in Vietnam. Als das Pentagon ihn von der Front ins Heimatfort beorderte, dachte er: „Jetzt kriege ich noch einen Orden.“

Am 5. September 1969 verkündete die Armee, nach Abschluß der Voruntersuchungen und 18 Monate nach dem Massaker, daß Lieutenant William Calley Jr. wegen Mordes an 102 „menschlichorientalischen Wesen“ angeklagt sei. Die Zeitungsmeldung erregte noch kein großes Aufsehen, erst als die Bilder vom Massaker erschienen, schreckten die Amerikaner auf. Nachdem sich das erste Entsetzen gelegt hatte, beruhigten sie sich mit der Feststellung, daß ein Amerikaner wohl nicht ohne Grund 102 Vietnamesen töte. Im November 1970, als im Fort Benning in Columbus der Militärprozeß gegen Calley begann, war der Lieutenant schon ein Volksheld, ein Opfer und kein Täter mehr.

In Columbus konnte er in den Restaurants kostenlos essen, aus allen Teilen der Staaten bekam er von Familien Briefe mit Einladungen, und die Offiziere klopften ihm auf die Schulter. Unbefangene Geschworene waren kaum zu finden; ein für das Amt vorgeschlagener Hauptmann äußerte gar, der Angeklagte gehöre nicht bestraft, sondern befördert.

Als Calley schließlich zu lebenslänglich Gefängnis verurteilt wurde, wegen 22fachen vorsätzlichen Mordes, schlug ihn das Volk endgültig zum Märtyrer. „Sie haben ihn gekreuzigt“, riefen Menschen vor dem Gerichtsgebäude. Mehr als 100 000 Telegramme überschwemmten das Weiße Haus. Selbst Vietnamkriegsgegner forderten „free Calley“. Hunderte von Soldaten erklärten: „Wir haben das gleiche getan wie Calley, verurteilt uns auch!“

Calley war zum Inbegriff des pflichtbewußten amerikanischen Soldaten geworden, der tut, was man ihm befohlen hat, und dafür verurteilt wird. Calleys Verteidiger: „Sie waren gute amerikanische Jungs, die zum Töten erzogen, und zum Töten nach Übersee geschickt wurden, denen das Töten befohlen wurde und die nun Mörder sein sollen, weil sie ihren Job gemacht haben?“

Während des Prozesses hatte Calley nie bestritten, Frauen, Kinder und Alte erschossen zu haben, lediglich um die Anzahl wurde gestritten, und darüber, ob es einen Befehl von oben gab, das Dorf auszurotten oder nicht.

Calley über die Einsatzbesprechung am Vorabend: „Captain Medina zeichnete eine Karte unseres Operationsgebietes in den Sand. Das ist My Lai 4. Unser Job ist es, schnell durchzugehen und alles zu neutralisieren. Jeden töten. ‚Auch Frauen und Kinder, Captain Medina?‘ – ‚Ich sagte jeden, alles, was sich bewegt.‘“ 21 GIs bestätigten diese Darstellung. Medina selbst und zwei GIs bestritten sie.

Calley: „Ich habe an diesem Tag in My Lai keinen Menschen getötet, nicht ich als Person tat es. Ich tat es für die Vereinigten Staaten von Amerika, mein Land. Und wir waren nicht da, um menschliche Wesen zu töten. Wir waren da, um eine Ideologie zu töten. Um den Kommunismus zu zerstören.“

Dörfer und ihre Bewohner zu zerstören, um sie vor den Kommunisten zu retten, das war Teil der amerikanischen Strategie im Vietnamkrieg. Ganze Landstriche wurden zur free-fire-zone erklärt, die Bevölkerung dieser Gebiete zum Verlassen ihrer Häuser aufgefordert, und fortan war jedes menschliche Wesen in diesen Zonen Freiwild. Bomben, in 10 000 Meter Höhe irgendwo über den Wolken ausgeklinkt, töteten hier Zehntausende Zivilisten. Calleys Verteidiger: „Es ist in Ordnung, wenn die Air Force Städte bombardiert. Es ist in Ordnung, wenn die Artillerie Gebäude zusammenschießt und das Leben aller auslöscht. Aber wenn ein Infanterist sein Gewehr für den gleichen Zweck einsetzt, soll das auf einmal falsch sein?“ Calley: „Was ist ein Massaker? Eine Atombombe auf Hiroshima ist kein Massaker, aber hundert Leute sind eins?“

Je länger der Prozeß dauerte, um so gewöhnlicher, normaler, alltäglicher wurde das Massaker von My Lai. Colonel Oran Henderson, der Kommandeur von Calleys Brigade, konnte schließlich erklären: Jede Brigade in Vietnam hatte ihr My Lai, aber nicht jede hatte einen Ridenhour, der es verrät.“ Bei einer Umfrage nach dem Prozeß äußerte die Hälfte der befragten Amerikaner, Massaker wie das in My Lai seien keine Ausnahme, sondern die Regel im Vietnamkrieg. Und 79 Prozent sprachen sich gegen Calleys Verurteilung aus. Aber immerhin 32 Prozent verlangten, daß hohe Militärs und Regierungsmitglieder wegen der Kriegsverbrechen vor Gericht gestellt werden sollten.

Den Durchschnittsamerikaner empörte, daß ein guter Durchschnittsamerikaner, der seine Pflicht tut, wegen der Liquidierung von ein paar Schlitzaugen ins Gefängnis wandern sollte; den Kriegsgegener regte auf, daß ein kleiner Durchschnittsamerikaner stellvertretend für seine Vorgesetzten ins Gefängnis wandern sollte. Time veröffentlichte eine Befehlskette, die von Calley über den Kompaniechef, den Divisionskommandeur, den Oberbefehlshaber Westmoreland bis zum Verteidigungsminister Clark Clifford und dem damaligen Präsidenten Lyndon B. Johnson reichte. Newsweek fragte auf der Titelseite: „Wer noch ist schuldig?“

Prozeßbeobachtern war aufgefallen, daß der Anwalt von Calley während der sechsmonatigen Verhandlung wenig getan hatte, um höhere Militärs zu belasten oder sie vor Gericht zu laden. Der Ankläger hielt sich strikt daran, nur Calleys Verhalten anzuklagen: „Er (Calley) veranstaltete das ganze Unternehmen in eigener Initiative und auf seine eigene Art.“ Von dem anfangs von Militärjuristen geäußerten Vorhaben, einen Massenprozeß nach dem Vorbild der Kriegsverbrecherprozesse von Nürnberg abzuhalten, war nicht mehr die Rede. 25 Mitwisser und Mittäter hatte die militärische Untersuchungskommission ermittelt, Calley jedoch wurde als einziger verurteilt. Nur fünf Soldaten wurden überhaupt vor Gericht gestellt.

Ein Sergeant wurde mit der Begründung freigesprochen, er habe lediglich Befehle ausgeführt. Einer seiner Richter erklärte: „Ein Soldat sollte auch ungesetzlichen Befehlen eines Offiziers gehorchen, denn er ist ein blinder Vollstrecker der Anordnungen seines Vorgesetzten.“ Calleys Divisionskommandeur Koster, zum Zeitpunkt der Ermittlungen Leiter der Offiziershochschule „West Point“, wurde von der Beschuldigung freigesprochen, das Massaker zumindest vertuscht zu haben. Sein Richter war Lieutenant General Seaman, als Kommandeur der 1. US-Division beschuldigt, in Vietnam für besonders grausame Morde an Zivilisten verantwortlich zu sein.

„Es ist uns offensichtlich nicht gelungen, das zu lernen, was wir uns angemaßt haben, in Nürnberg zu lehren“, urteilte resigniert der amerikanische Hauptankläger bei den Nürnberger Kriegsverbrecherprozessen, Telford Taylor. Der pensionierte General forderte vergeblich, den Oberbefehlshaber in Vietnam, William Westmoreland, vor Gericht zu stellen.

Auch als Verurteilter blieb Calley seiner Regierung ergeben und sah sich als Sündenbock für Volk und Army. Calley über seine Rolle: „In den Zeitungen ein Haufen von toten Frauen, Kindern und Babys. Die amerikanische Regierung konnte nicht sagen, oh, so ist es überall in Vietnam. Sie mußte zwei Millionen Kriegs Veteranen und 100 Millionen Bürger schützen. Sie mußte jedermann sagen: ‚Ein verrückter Killer hat es getan.‘“

Erst drei Jahre nach Calleys Verurteilung und sechs Jahre nach den Vorfällen gab die Regierung Teile des Peers-Reports über die militärinternen Untersuchungen des Massakers zur Veröffentlichung frei. Nicht nur die Verstrickung von 25 zum Teil hohen Militärs wurde darin aufgedeckt. Es wurde auch über ein zweites Massaker an Zivilisten berichtet, das von derselben Division, aber einer anderen Einheit am selben Tag in My Khe, nicht weit von My Lai entfernt, begangen worden war. Zwischen 90 und 150 Frauen, Kinder und Alte wurden dabei getötet. Die GIs waren – wie die Befragung durch die Ermittler der Army ergeben hatte – ähnlich vorgegangen wie Calley und seine Leute. „Ich erinnere mich, daß das Baby nicht weit entfernt war. Er feuerte mit seiner 45er und schoß daneben. Wir lachten alle. Er ging näher ran. Wieder vorbei. Wir lachten. Dann stand er direkt über dem Kind und hat es vollgepumpt ... Ein Hubschrauber brachte eine Extra-Ladung TNT, hundert Stangen. Sie wurden in die Bunker geworfen, in die sich die Leute verkrochen hatten. Wir veranstalteten eine Art Wettbewerb, um zu sehen, wer es mit der kürzesten Lunte schaffte.“

Mit den Worten „Das ist das, worauf ihr gewartet habt, aufspüren und zerstören, ihr kriegt es“, waren die GIs dieser Einheit am Abend vor dem Massaker auf die Aktion eingestellt worden. „Wir wurden informiert, da runterzugehen und den verdammten Ort auszumisten... Alle waren begeistert, dort runterzugehen. Wir wollten sie beseitigen, das Nest säubern...“ Man hatte den Soldaten gesagt, sie würden dort unten auf das 48. Vietcong-Bataillon treffen, eine Einheit, die während der gerade zu Ende gegangenen Tet-Offensive den Amerikanern die bis dahin größte Niederlage des Vietnamkrieges zugefügt hatte. Doch statt auf bewaffnete Guerillas trafen die GIs in My Khe ängstlich davonlaufende Frauen und Kinder.

Massaker wie in My Lai und My Khe habe es Anfang März 1968 in 31 Orten Südvietnams gegeben, behauptete damals die vietnamesische Befreiungsfront. Die Aktion solle die Bevölkerung einschüchtern und von der Unterstützung der während der Tet-Offensive so erfolgreichen Partisanen abhalten.

Die im Peers-Report beschriebenen Vorfälle in My Khe blieben ohne Folgen für die beteiligten GIs. Keiner wurde angeklagt oder verurteilt. Erst nach Calleys Prozeß erfuhr die amerikanische Öffentlichkeit von dem anderen Massaker am selben Tag. Die Regierung Nixon hatte den Peers-Report unter Verschluß gehalten. Erst der erzwungene Rücktritt des Präsidenten machte den Weg frei, um zumindest Teile zu publizieren. Nixon, so hieß es nun, hätte die My-Lai-Debatte nach dem Calley-Prozeß nicht neu aufleben lassen wollen und darum die Freigabe des Reports jahrelang verhindert.

Bereits unmittelbar nach dem Schuldspruch hatte sich Nixon in das Calley-Verfahren eingemischt. Der Präsident ordnete an, den Verurteilten aus dem Gefängnis von Fort Leavenworth zu entlassen und bis zu seiner Berufungsverhandlung lediglich unter Hausarrest zu stellen. Calley durfte in seine Wohnung im Militärstützpunkt nach Columbus zurückkehren und eine Sekretärin zur Erledigung seiner Fan-Post beschäftigen. Der Ankläger der Army schrieb Nixon einen entsetzten Brief, der mit den Worten schloß: „Ich hätte erwartet, daß der Präsident der Vereingten Staaten ... in einer moralischen Angelegenheit, die klar zutage liegt und bei der es keinen Kompromiß geben kann, voll hinter den Gesetzen dieses Landes stehen würde.“

Unbeirrt ließ Nixon verkünden, er persönlich werde den Fall überprüfen, die endgültige Entscheidung treffen und obendrein in seiner Rolle als Oberbefehlshaber der Streitkräfte „nach eigenem Ermessen“ in das militärische Berufungsverfahren eingreifen.

Fünf Monate nach Calleys Verurteilung zu lebenslanger Haft reduzierte die Army seine Strafe auf 20 Jahre Arrest. Nixons Heeresminister Callaway kürzte noch einmal, auf zehn Jahre, und entließ Calley nach Verbüßung von dreieinhalb Jahren endgültig aus dem Militärgefängnis. Der Lieutenant habe während des Massakers geglaubt, „in Übereinstimmung mit den Befehlen zu handeln, die er erhalten habe“, erklärte der Minister, außerdem sei er „nur einer von vielen, die in diese Affäre verstrickt seien“. Da es keine Anzeichen dafür gebe, daß Calley eine Gefahr für irgend jemanden sei, könne man ihn freilassen.

Der Massenmörder verließ das Gefängnis als gemachter Mann. In Columbus war seine Popularität am größten, und so blieb Calley dort, wo sein Leben diese glückliche Wendung genommen hatte. In der Nähe von Fort Benning, dort, wo er vom Durchschnittsamerikaner zum Lieutenant ausgebildet worden war, und wo er des mehrfachen Mordes an „menschlichen orientalischen Wesen“ schuldig befunden wurde, kaufte er sich von dem Geld, das er für Interviews bekommen hatte, ein Haus. Der berühmteste Bürger von Columbus blieb nicht lange allein. Sein Leben lang hatte Calley kein Glück bei den Frauen gehabt, nun interessierte sich die Tochter des Juweliers Vick für den tapferen Soldaten. Er heiratete sie – und den Laden ihres Vaters. Rambo war Juwelier geworden.

„Verfolgt haben mich die Toten von My Lai nie“, sagte er damals.

Pan Thi Trinh hat Calley nie aus den Augen verloren. Nachdem die Wunden des Massakers im Krankenhaus versorgt worden waren, kam sie in ein Nachbardorf zu Verwandten. Dort sah sie Calley drei jahre später auf den Photos wieder, die inzwischen durch die Weltpresse gegangen waren und schließlich auch in der Zeitung der Provinz Quang Ngai auftauchten.

Sechsmal noch mußte Pan Thi Trinh mit ihren neuen Eltern vor amerikanischen GIs und südvietnamesischen Soldaten fliehen, als diese die Dörfer nach Vietcongs durchkämmten und in Brand steckten. Jetzt lebt sie wieder dort, wo ihre Familie ausgelöscht wurde. Trinh führt Besucher durch die Gedenkstätte My Lai, zeigt den Graben, in dem hundert Dorfbewohner starben und die Wegkreuzung, wo vierzig Menschen umkamen, erläutert die Einsatzpläne der US Army und die Photos von den Tätern – Calleys hängt auch an der Wand. Auf einer großen Tafel stehen die Namen der Ermordeten, dahinter das Alter: Pham Cu 6 Jahre, Pham Chanh 1 Jahr, Pham T Hoat 72 Jahre ...

Wie eine routinierte Museumswärterin erklärt Pan Thi Trinh die Bilder mit den zerstückelten, und blutverschmierten Leichen, scheinbar teilnahmslos spricht sie von den Maschinengewehrtypen der Amerikaner und dem Zeitplan des Massakers. Ihr Blick ist dabei starr geradeaus gerichtet, ihr Gesicht bleibt hart wie eine Maske. Nur die Lippen beben manchmal schwach. Als wir uns setzen, um Tee zu trinken, zittern ihre Hände so stark, daß sie ein wenig Tee aus der Tasse über ihre weiße Bluse schüttet. Sie müsse sich mehr zusammennehmen, entschuldigt sie sich.

Mehrmals in der Woche erzählt sie die Geschichte des Massakers, fünfzehn-, zwanzigmal im Monat sterben ihre Eltern und Geschwister. „Ich möchte nicht noch einmal über so ein Massaker hören, nirgends auf der Welt. Darum muß ich mich zusammennehmen und erzählen. Das muß ich tun, das ist das Beste, was ich tun kann.“

Drei Sack Reis hat Pan Thi Trinh von der südvietnamesischen Regierung als Wiedergutmachung bekommen, damals, als das Massaker durch die Zeitungen ging. Von der amerikanischen Regierung hat sie bis heute nichts erhalten.

Trinh weiß, daß Calley aus dem Gefängnis kam, noch ehe der Vietnamkrieg zu Ende war. Sie weiß, daß die anderen Täter vollkommen ungeschoren blieben. Sie weiß, daß die meisten Amerikaner die Ausrottung ihres Heimatdorfes nicht einmal als Verbrechen ansehen. Doch wie die meisten Vietnamesen empfindet auch sie keinen Haß auf „Amerikaner“. Aus einem Kassettenrecorder plärrt amerikanische Rockmusik über die Gedenkstätte: „Born in the USA“.

Aus Calleys Juwelierladen tritt ein GI im Kampfanzug. Ich steige aus dem Auto aus, folge ihm und spreche ihn an. Er stammt aus Atlanta und ist zur Ausbildung im Fort Benning; noch immer befindet sich in Columbus eines der größten Trainingscamps der Army. Von My Lai hat er gehört, schlimm sei das gewesen. Es gebe einen Trainingsfilm über die Behandlung von Zivilisten im Krieg, der werde den GIs zur Abschreckung gezeigt. „Uns wird gesagt, daß wir solche Befehle verweigern müssen.“ Lieutenant Calley? Nie gehört.

Am Abend vorher hatte ich im Kino-Center von Columbus mit einer Gruppe von GIs gesprochen. Auch ihnen sagte der Name „Calley“ nichts. „Vietnam“ sei eine Tragödie gewesen, womit sie aber nicht den Krieg meinten, sondern seinen Ausgang.

Sie hatten gerade den Film „Iron Eagle“ gesehen: Der Sohn eines in Vietnam mehrfach ausgezeichneten Kampffliegers stiehlt eine F-16, um damit seinen inzwischen „irgendwo in Nordafrika“ in Gefangenschaft geratenen Vater aus den Klauen eines unberechenbaren Diktators freizubomben. Laut johlend hatte das GI-Heer im Kino jeden Treffer gefeiert. Im Vorprogramm lief die Ankündigung des Films „Top Gun“: Der Sohn eines in Vietnam verschollenen Fliegerhelden schießt sich zum Top-Flieger hoch und holt im Finale mehrere sowjetische MIGs vom Himmel – trampelnder Beifall.

Zehn Jahre nach seinem Ende verwandelt sich der Vietnamkrieg auf der Leinwand in einen Krieg voller Heldentaten, der nur deswegen nicht gewonnen wurde, weil die Männer mit den nackten Oberkörpern nicht so bomben und töten durften wie sie wollten; nun soll zumindest in Breitwand das unfinished business zu Ende gebracht werden, in Vietnam, Libyen und überall sonst, wo diese gooks und dyinks hausen.

„Ich fühle mich diesen Leuten überlegen. Ich bin der Amerikaner von der anderen Seite des Ozeans. Ich kann es diesen Leuten zeigen“ (Calley).

Einer der Soldaten im Kino trägt ein T-Shirt mit dem Aufdruck: Join the Army, travel to distant countries, meet interesting people – and kill them.“

Der CÄS-Chefkommentator prophezeite 1971: „Der Calley-Prozeß ist erst der Anfang eines anderen Prozesses, der Anfang bei der Suche nach der vollen Wahrheit: Was haben wir den Asiaten und uns selbst angetan?“ Die Amerikaner haben nicht nur nicht nach der Wahrheit gesucht, sie haben das, was sie über den Vietnamkrieg wußten, systematisch vergessen. Wie für die jungen Soldaten im Kino von Columbus, so sind für die meisten Amerikaner in Vietnam nur 58 721 Menschen gefallen. Drei Millionen tote Vietnamesen sind vergessen, drei Milliarden Dollar versprochene Wiedergutmachung ebenso.

Der Vietnamkrieg wurde während des vergangenen Jahrzehnts einer Schönheitskur unterzogen. „Ich denke, die Amerikaner haben in Vietnam einen guten Eindruck gemacht“, sagt der Ex-GI und „Dallas“-Star Ray Krebs. „Meine Einheit hat ausgezeichnete Arbeit geleistet. Ich bin den Leuten überlegen, die diese Erfahrungen nicht gemacht haben.“ Am diesjährigen Memorial Day erklärte der Präsident der Amerikaner die Jungs von Vietnam“ zum Vorbild für die heutige Jugend: „Sie entschieden sich, ehrlich zu sein. Sie entschieden sich, dem modischen Skeptizismus ihrer Zeit zu widerstehen. Sie entschieden sich, dem Ruf der Pflicht zu folgen.“

„Ich führe meine Befehle aus. Dafür ist die Armee da. Wenn die Amerikaner sagen: ‚Löscht Südamerika aus‘, wird es die Army machen. Wenn eine Mehrheit sagt, Lieutenant, los, massakrieren Sie tausend Feinde, werde ich tausend Feinde massakrieren“ (Calley).

Die völkische Gehirnwäsche, die in zehn Jahren aus einem viehischen Krieg eine noble Sache gemacht hat, findet außer in Präsidentenreden im Kinosaal statt. Im Kino-Center von Columbus waren fünf von sechs Filmen hochmoderne Kriegsstreifen, in denen der Vietnamkrieg weitergeführt oder woanders neu begonnen wird. Die GIs auf der Leinwand zeigen ihren Kollegen im Parkett, wie geil Krieg ist, wie erotisch der Luftkampf und wie orgiastisch der Abschuß ist – Krieg als die Fortsetzung des Lebens mit lustigen Mitteln.

„Vier fünfzig-kalibrige Maschinengewehre am Heck gaben Dauerfeuer: das war Ballerei à gogo. Das ist das Großartigste auf der Welt... Ein LSD-Trip ist in etwa so wie ein Morgen in My Lai. Oder sonstwo. Hinterher fragst du dich: Nun, was habe ich getan, einen Haufen Deutscher oder Japaner oder Vietnamesen umgebracht. Big goddamn deal“ (Calley).

„Damals“, so sagte ein Vietnam-Veteran am Memorial Day in einer Fernsehsendung, „fanden alle meine Freunde Krieg fürchterlich, aber ich ging nach Vietnam. Heute habe ich das komische Gefühl, Krieg ist schick geworden, und ich komme mir vor, als sei ich nicht von heute.“ Keiner verkörpert den Sinneswandel besser als „Rambo“ Sylvester Stallone. Während des Vietnamkrieges entzog sich Stallone dem Wehrdienst und diente als Leibwächter in einem Schweizer Mädcheninternat, heute ist Rambo der Rammbock der modernen Kriegsmentalität.

Calley tritt aus seinem Juweliergeschäft. An der Hand führt er seinen fünfjährigen Sohn, sie gehen in „White’s Bookstore“, kaufen Malblöcke und kehren in den Laden zurück. Calley baut sich hinter der Schaufensterscheibe auf, schaut zu mir herüber. Er muß die Kamera in meiner Hand sehen, rührt sich aber nicht von der Stelle.

Hat ein Massenmörder ein Recht darauf, in Ruhe gelassen zu werden? Soll ich an seine Schmuckvitrine treten und ihm die Bilder von Pan Thi Trinh zeigen?

Ein Mercedes-Kombi fährt vor. Calley eilt aus dem Laden, hinter einer Aktentasche sein Gesicht verbergend, und schlüpft in den Fond des Wagens. Seine Frau sitzt am Steuer und gibt Gas. Hinter der Schaufensterscheibe stehen die fünf Verkäuferinnen Calleys und schauen, ob ich ihrem Boß folge. Wozu? Mitarbeit: Stefanie Rosenkranz