„Wir dürfen vor allem die deutschen Schulmeister nicht loslassen auf die Ostgebiete. Wir verlieren sonst die Eltern und die Kinder. Wir verlieren das ganze Volk, weil ihm das Eingetrichterte nichts nützt. Am besten wäre es, man lehrte sie nur eine Zeichensprache verstehen. Durch den Rundfunk wird der Gemeinde vorgesetzt, was ihr zuträglich ist: Musik unbegrenzt. Nur geistige Arbeit sollen sie nicht lernen. Wir dürfen ja nichts drucken lassen! ... Am glücklichsten leben diese Menschen, wenn man sie möglichst in Ruhe läßt. Man züchtet sich sonst die grimmigsten Feinde heran!“

Aus: Henry Picker, Heinrich Hoffmann: „Hitlers Tischgespräche im Führerhauptquartier“; Busse und Seewald Verlag

Jossy Halland

Wer kannte sie schon bei uns – natürlich diejenigen, die vor anderthalb Jahren mit ihrer bewegenden Schallplatte bekannt wurden, und alle die, die die Hallands bei ihren Gastspielen, vor allem aber in jenem Lokal in Amsterdam erlebt haben, das auch der Schallplatte den Namen gegeben hatte: „LiLaLo“ (mir, ihr, ihm). Es war das einzige jiddische Kabarett, das es in Europa noch gab, aber nun gibt es auch dies nicht mehr: Vorige Woche ist die Diseuse Jossy Halland gestorben, erst 62 Jahre alt – und es ist schwerlich denkbar, daß ihr Mann Jacques Halland, der zugleich ihr kongenialer Begleiter am Klavier gewesen war, das Kabarett weiter führen wird. Dieses Kabarett war ein Ecklokal, mit Tischen und Stühlen für etwa fünfzig Leute, in einer Nische ein niedriges Klavier und ein Podest für die Sängerin Jossy, nicht viel größer als einen Quadratmeter, schließlich der Schanktisch. Der Raum war wohnlich ausstaffiert, mit Bildern, Figuren, Sammelgegenständen, Kerzen. Abends gegen neun Uhr wurde geöffnet, Eintritt frei. Jacques begrüßte jeden. Man studierte die kleine Karte, er nahm die Bestellungen entgegen, Jossy richtete die kleinen Speisen an, auch den berühmten, besungenen „gefillten Fisch“. Dann, nach einer kurzen Ouvertüre, ging es los: Ansagen, Witzeleien, Episoden, Klavierspielereien, die Lieder. Nach 23 Jahren ist es nun zu Ende: mit den „Jiddischkeiten“ im Cabaret LiLaLo.

Für erfahrene Jugendliche

Allzu viele werden sich vermutlich nicht melden können – verlangt doch die Ausschreibung ein Alter „zwischen 14 und 23 Jahren“, aber zugleich auch „nachweisbare Orchestererfahrungen“, sollen die Bewerber „sich den mit professionellen Maßstäben gemessen hohen künstlerischen Anforderungen dieses Ensembles gewachsen fühlen“ und bei einem Auswahlvorspiel (12. bis 14. Dezember) mit „einem Satz aus einem Solokonzert eigener Wahl“ überzeugen. Karierte Maiglöckchen dürften häufiger zu finden sein. Andererseits winken die künstlerischen Erlebnisse und Erfahrungen einer Arbeitsphase (April 1987) und internationaler Tourneen (31. Juli bis 1. September) mit dem hochreputierlichen, von keinem Geringeren als Claudio Abbado geleiteten „Jugend-Symphonieorchester der Europäischen Gemeinschaft“. Bewerbungen bis zum 31. Oktober an den Deutschen Musikrat, Am Michaelshof 4 a, 5300 Bonn 2.

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