Bomben, Flucht, Fliegeralarm: Geschichten vom Krieg

Von Susanne Krebs

Die Generation der heute Fünfzehn- bis Zwanzigjährigen weiß wenig vom Zweiten Weltkrieg. Sie kann sich – glücklicherweise – jenes ambivalente Lebensgefühl nicht vorstellen, gemischt aus Fliegeralarm und Kindergeburtstag, Angst um den Vater an der Front und vor irgendeiner Mathearbeit. Für die meisten Deutschen hat sich die Schlinge allmählich zugezogen. So langsam, daß sie weitertrotteten, blind und vertrauend auf den, der am Strick zog. Um nicht wieder blind in eine Katastrophe zu stolpern, können wir es uns und den Kindern nicht ersparen, vom Krieg zu reden. Auch in Kinderbüchern. Es wird schwierig sein.

Da ist die übermächtige Konkurrenz einer Welt der bezauberndsten Phantasiegeschöpfe, der reizenden Tierkinder, der spannenden Kriminal- und Abenteuergeschichten. Viele Kinder werden vielleicht maulen. Bislang genügte es, einfach zu schlucken, nun sollen sie kauen.

Kriegsgeschichten müssen exzellent geschrieben sein, sie müssen mehr zeigen als "gute Gesinnung". Ein solches Buch ist der Roman "Krücke" von Peter Härtling.

Bei Kriegsende treffen sie in Wien zusammen: der Junge, der seine Mutter auf der Flucht verlor und der ehemalige Soldat, dem ein Bein abgeschossen wurde. Sie werden Freunde und versuchen, sich gemeinsam durchzuschlagen. Bei den endlosen Behördengängen jener Zeit, bei ein bißchen Schwarzhandel, etwas außerhalb der Legalität, mit kleinen Schwindeleien. Von Wien nach Deutschland transportiert und in einem Lager gelandet, reden sich die beiden den Krieg vom Leibe. Sie feiern Weihnachten als geduldete "Einquartierte" in der Bodenkammer eines Bauernhauses und finden sich nach und nach wieder in der Normalität zurecht. Der Junge geht zur Schule, der Mann kriegt Arbeit. Und zum Schluß hat auch die Suchaktion Erfolg: Die Mutter meldet sich. Es ist eine klug und empfindsam geschriebene Geschichte, die von wirklichen Menschen handelt.

Mit den Schwarzweißzeichnungen von Sophie Brandes gibt sie eine Schilderung der Kriegsend- und Nachkriegszeit, die literarisch und sachlich bestehen kann.