Das ist schon völlig exzeptionell. Da bietet ein Museum, das Hamburger Museum für Kunst und Gewerbe, bis zum 16. November eine Ausstellung, die nicht nur durch die Kunstgegenstände an sich attraktiv ist, sondern auch durch amüsante Begleitumstände.

Die Großstadt an der Elbe wollte demonstrieren, was seine Meister der Gold- und Silberkunst im 16., besonders im 17. und im 18. Jahrhundert, geleistet haben, und sie holte sich (leihweise) 57 Werke (Kannen, Pokale, Tafelaufsätze, Schauplatten und anderes) hamburgischer Provenienz von der Großstadt an der Moskwa. In der Rüstkammer des Kreml, deren riesige Schätze in erster Linie von den Zaren erworben wurden, ist die bedeutendste hamburgische Silbersammlung. Dort befinden sich „318 Objekte, die die Marken von 66 der wichtigeren Meister der Hansestadt tragen“, außerdem Objekte, die aus Nürnberg, Augsburg oder anderen deutschen Zentren stammen. Da findet man Arbeiten zum Beispiel von Hermann von Bordesloe, Carsten Mundt, Johan Jans, Ditrich Utermarke, Dieterich Thor Moye, Hanß Lambrechte. Die Kostbarkeiten sind nicht auf kürzestem Weg nach Moskau gelangt, sondern haben Umwege über verschiedene Metropolen, zum Beispiel Kopenhagen und Stockholm, genommen, bis sie schließlich als Diplomaten-Mitbringsel („Diplomatengeschenke“) oder als Präsente zielstrebiger Courtoisie in die huldvoll ausgestreckten Zarenhände gelegt wurden. Die Rückkehr hamburgischer Kunst nach Hamburg sieht wie eine Odyssee aus, ist es aber nicht. Hier ist keine Endstation. Die Exponate bleiben russisches Eigentum. Aber das Museum (Axel von Saldern und Bernhard Heitmann) hat eine überragende Arbeit geleistet: Kulturaustausch auf einen Höhepunkt gebracht.

Das Museum für Kunst und Gewerbe, Steintorplatz 1, ist dienstags bis sonntags von 10 bis 17 Uhr geöffnet. Der Katalog kostet 20 Mark und der Eintritt fünf Mark für Erwachsene. R. D.