Mit einer rassistischen Bemerkung hat Japans Ministerpräsident Nakasone die amerikanische Öffentlichkeit gegen sich aufgebracht.

Yasuhiro Nakasone, der als Ministerpräsident seit vier Jahren das japanische Inselreich offener machen will, tut sich schwer beim Blick über den heimischen Horizont; seine Erkenntnisse über den großen Handels- und Bündnispartner Amerika zeigen das.

Bei einer Parteiveranstaltung teilte Nakasone seinem japanischen Publikum mit, in den Vereinigten Staaten sei das durchschnittliche Intelligenzniveau „noch immer sehr niedrig“. Sein Urteil begründete er mit dem für die Denkweise der Japaner typischen Hinweis auf die Vielrassigkeit der USA; es gäbe eben „eine große Zahl Schwarzer, Puertoricaner und Mexikaner“. Das rassisch homogene Japan habe es da leichter. Nakasone kam mit seiner Bemerkung nicht ungestraft davon. Amerikas Medien griffen die Äußerung des Japaners sofort auf, Sprecher aller geschmähten Gruppen verlangten Genugtuung. Das Repräsentantenhaus in Washington bereitete eine Resolution vor, mit der Nakasone zu einer öffentlichen Entschuldigung aufgefordert werden sollte.

In Tokio bedrängte darauf die um das Amerikageschäft bangende Exportwirtschaft den Premier, und auch seine Parteifreunde gingen auf Distanz, bis Nakasone sich für seine Äußerungen entschuldigte. Jetzt entdeckte dafür der Premier auf einmal, daß Amerika „seine Dynamik der ethnischen Vielfalt“ verdanke.

Der peinliche Vorfall ist keine Ausnahme. Vor wenigen Wochen hatte sich der erst kurze Zeit amtierende Kultusminister Masayuki Fujio schon mit der Behauptung unmöglich gemacht, nur Staaten mit untadeliger Vergangenheit dürften Japan wegen seiner angeblichen Kriegsgreuel kritisieren. An der japanischen Unterwerfung Koreas aber seien die Nachbarn selbst schuld gewesen. Nakasone feuerte Fujio, reiste nach Seoul zur Abbitte und plant auch eine Bußfahrt nach Peking. Ähnlich wie der seit Jahren schwelende Streit um die Verzerrung der Zeitgeschichte in japanischen Schulbüchern werfen auch die Äußerungen Nakasones und Fujios Schlaglichter auf das Selbstverständnis des Volkes. Daß der Premier und sein Kultusminister nur die Meinung vieler Landsleute kolportierten, ist für Japans Presse unstreitig. Beunruhigt über die Verwestlichung der japanischen Industriegesellschaft, beschwören Japaner immer häufiger ihre „rassische Homogenität“, ihre „Einzigartigkeit“ und „überlegene Intelligenz“. Die Diskriminierung der 800 000 Koreaner im Lande und der Millionen „unberührbarer“ Etas – das alles sind Konsequenzen eines Dünkels, der bedenklich an das Japan der ersten Jahrzehnte dieses Jahrhunderts erinnert. Entschuldigungen ändern daran nichts.

Helmut Becker (Tokio)