Ich habe einen Brief bekommen, Absender ist laut Briefkopf der Ordre Souverain Militaire de Saint-Jean de Jerusalem – Chevaliers de Malte – Prieuré Oecumenique de la Sainte Trinité de Villedieu – Quartier General de la Vallette – Prieuve de Quebec, und er bietet mir an, ein Malteserritter zu werden. Ich hätte zwar ein Billett von Karl dem Großen vorgezogen, aber ich habe die Sache gleichwohl sofort meinen Kindern erzählt, damit sie wissen, was für einen Vater sie haben. Dann habe ich mir den Band "Ordres et contre-ordres de chevalierie" von Caffanjon und Galimard-Flavigny, Paris 1982, aus meinem Bücherregal geholt, der unter anderem eine Liste der Pseudo-Orden von Malta enthält, veröffentlicht vom authentischen Ordine Sovrano Militare e Ospitaliero di San Giovanni di Gerusalemme, di Rodi e di Malta, der in Rom residiert.

Es gibt noch sechzehn weitere Malteserorden, alle tragen mehr oder minder den gleichen Namen mit winzigen Variationen, alle an- und aberkennen sich gegenseitig das Recht dazu. 1908 haben russische Ritter einen Orden in den Vereinigten Staaten gegründet, dessen Kanzler in späteren Jahren Seine Königliche Hoheit Prinz Robert Paternö II., Ayerbe Aragon, Duc de Perpignan, Chef des Hauses Aragon, Thronprätendent des Reiches Aragon und der Balearen, Großmeister des Ordens vom Kollar der Heiligen Agathe von Paternö sowie des Ordens der Königskrone der Balearen wurde. Doch 1934 trennt sich von diesem Stamm ein dänischer Ritter, der einen anderen Orden gründet, dessen Kanzlerschaft er dem Prinzen Peter von Griechenland und von Dänemark überträgt.

Zu Beginn der sechziger Jahre gründet ein Abtrünniger der russischen Linie, Paul de Granier de Cassagnac, einen Orden in Frankreich, als dessen Schutzherrn er König Peter II. von Jugoslawien wählt. 1965 überwirft sich der Ex-Peter Zwo von Jugoslawien mit Cassagnac und gründet in New York einen anderen Orden, dessen Groß-Prior in den siebziger Jahren Prinz Peter von Griechenland und von Dänemark wird, der später abdankt, um zum dänischen Orden überzuwechseln. 1966 erscheint als Kanzler des Ordens ein gewisser Robert Bassaraba von Brancovan Khimchiacvili, der jedoch ausgeschlossen wird und daraufhin den Orden der ökumenischen Ritter von Malta gründet, dessen Kaiserlich-Königlicher Protektor alsdann Prinz Heinrich III. Konstantin von Vigo Lascaris Aleramicos Paläologos del Monferrato, Erbe des Throns von Byzanz und Fürst von Thessalien wird, der ein paar Jahre später einen weiteren Malteserorden mit Priorat der Vereinigten Staaten gründet, während Robert Bassaraba 1975 seinen eigenen Orden mit Priorat der Trinité de Villedieu – also den meinen – zu gründen sucht, aber ohne Erfolg.

Weiter finde ich: ein byzantinisches Protektorat, einen Orden, der von Prinz Carol von Rumänien nach dessen Trennung von Cassagnac gegründet wurde, ein Groß-Priorat, dessen Groß-Bailiff ein gewisser Tonna-Barthet ist, während Prinz Andreas von Jugoslawien, Ex-Großmeister des von Peter II. gegründeten Ordem, nun Großmeister des Priorats von Rußland ist (aber dann zieht der Prinz sich zurück, und der Orden ändert seinen Namen in Königliches Groß-Priorat von Malta und Europa), ferner einen Orden, der in den siebziger Jahren in den Vereinigten Staaten von einem Baron de Choibert gegründet wurde, zusammen mit dem Erzbischof Viktor Busa, Metropolitan von Erzbischof Patriarch der westlichen und der östlichen orthodoxen Diaspora, Präsident der Republik Danzig (sie), Präsident der demokratischen Republik Bielorussia sowie, als Viktor Timur II., Großkhan von Tatarien und der Mongolei....

1971 erscheint in Malta mein Orden, hervorgegangen aus einer Spaltung des Ordens von Robert Bassaraba. Er steht unter dem Hochprotektorat von S.K.H. Alessandro Licastro Grimaldi Lascaris Comnenos Ventimiglia, Duc de La Chastre, Prince Souverain et Marquis de Deob, und sein Großmeister ist gegenwärtig der Marchese Carlo Stivala (sic) die Flavigny, der nach dem Tod Licastros einen gewissen Pierre Pasleau "assoziiert" hat, welchselbiger nun die Titel Licastros führt, zusätzlich zu denen Seiner Grandezza des Erzbischofs und Patriarchen der Orthodoxen Katholischen Kirche Belgiens, Großmeister des Souveränen Militärischen Ordens vom Tempel zu Jerusalem sowie Großmeister und Hierophant des Universellen Maurischen Ordens nach den Orientalischen, Antiken und Primitiven Riten von Memphis und Mizraim.

Ich habe das Buch wieder ins Regal gestellt. Es enthält vielleicht ebenfalls falsche Informationen. Aber ich habe begriffen, daß man zu irgendeinem Verein gehören muß.

Die Freimaurerloge P2 ist aufgelöst, dem Opus Dei fehlt es an Exklusivität, und am Ende ist man in jedermanns Mund. So fiel meine Wahl auf die Italienische Blockflötengesellschaft, Die Einzige, Wahre, Antike und Akzeptierte.

Aus dem italienischen übersetzt von Burkhart Kroeber. . Copyright: L’ Espresso