Alles über Bären, Katzen, Gänse, Wundertüten, Lutschbonbons und eine übergeschnappte Herzogin

Von Ute Blaich

Zweimal hat Roald Dahl den "Edgar Allen Poe Award of Mystery Writers of America verliehen bekommen. Für sein neues Diogenes-Buch sollte er sowohl einen Literaturpreis, das Bundesverdienstkreuz und die internationale Auszeichnung der unterhaltenden Süßwaren-Zucker-und-Salmiak-Pastillen-Industrie bekommen. Denn so geniale Erfindungen wie Willy-Wonkas-Regenbogen-Drops ("Man lutscht sie und kann dann in sieben verschiedenen Farben spucken") hat noch keine Werbeabteilung der Bonbon-Hersteller auf den Markt gebracht.

Außer Glucks-Kugeln, Plüsch-Nougat, Zwitscherlingen, Hatschi-Hupfern und Spiroletten aus China kommen in dieser unglaublich schönen Geschichte der Herzog von Hampshire, eine Giraffe, ein Pelikan, ein Affe und Billy vor. Billy ist ein kleiner Junge und nach etwas chaotischem Anfang steigt er zum Geschäftsführer der ziemlich meschuggenen Fensterputzmannschaft auf. Die besteht aus vier Mitgliedern: dem Peli als Eimer, dem Affen als Putzer, der Giraffe als Leiter und Billy. Das ist die ganze Firma.

Der Chauffeur des Herzogs, der vor dem total vergammelten Haus der ehemaligen "Schokogrotte" mit einem Rolls-Royce auftaucht, vermittelt einen lukrativen Auftrag: 677 Fenster des herzoglichen Palastes zu putzen. Und der Chauffeur verzieht keinen Muskel, als er die baufällige Bude der "Leiterlosen Fensterputzer und die merkwürdigen Firmenmitglieder zu Gesicht bekommt. (Weil Chauffeure hoher Chefs nämlich durch nichts mehr zu erschüttern sind.)

Der "liebe, alte Herzog" ist ein skurriler Typ, der auf seine alten Tage noch so gelenkig ist, daß sein Bart hüpft, als hätte er ein Eichhörnchen im Gesicht. Die Herzogin ist eine grelle Person (feuerrotes Haar und hysterische Zustände) und war vor fünfundfünfzig Jahren einmal eine viel beachtete Opernsängerin.

Dahl arbeitet so subtil, ironisch, souverän, unverschämt und phantastisch mit den Requisiten der Klamotte, daß es einem erwachsenen Leser den Atem verschlägt. Und Kindern erst!