Ein Artikel der Prawda läßt für Polen nichts Gutes ahnen. Da ist von "Rädelsführern" der verbotenen Solidarność die Rede, die Jaruzelskis Amnestie ausnutzen wollten, um "zu der Situation des Aufruhrs und den Ausschreitungen der anti-sozialistischen Kräfte" zurückzukehren-eine scharfe Verurteilung der jüngsten Entwicklung.

Bis dahin hätte man hoffen können, daß mit der Amnestie von 225 politischen Gefangenen nun endlich der erste Schritt zur Aussöhnung zwischen Volk und Regierung getan sei. Beide Seiten haben gelernt – die Regierung, daß Opposition im Untergrund gefährlicher ist als an der Oberfläche, die Solidarność-Vertreter, daß Maßhalten die Voraussetzung für Erfolg ist. Darum hat der "provisorische Rat", den die sieben ehemaligen Führer der Untergrund-Solidarität gegründet haben, auch sogleich der Regierung ein Gespräch angeboten; und darum hat Walesa, der dem Komitee nicht angehört, beim Verhör erklärt, es gehe dem Rat nur darum, einen Beitrag zur Überwindung der wirtschaftlichen Schwierigkeiten zu leisten.

Die Regierung in Warschau kann nicht angenommen haben, daß die Untergrundführer sich im Lehnstuhl ausruhen würden. Sie war also wohl bereit, das Experiment zu wagen. Aber der große Bruder, der sich von Chinas revisionistischer Wirtschaftspolitik bedroht sieht, mag sich offenbar im Westen nicht auf das Experiment einer pluralistischen Meinungsbildung bei Bündnispartnern einlassen. Schade: Ein eigener polnischer das wäre interessant gewesen. Dff.