"Staatsanwälte küßt man nicht" von Ivan Reitman

Ein Robert Redford in Bestform spielt die Hauptrolle in dieser mit viel Kinoverstand und Witz gemachten amerikanischen Kriminalkomödie, die eine moderne Version alter Hollywoodkomödien mit Spencer Tracy und Katherine Hepburn ist. Kenner werden noch eine Menge mehr Anleihen finden; neben George Cukor und Howard Hawks hat Reitman auch glänzend Alfred Hitchcock kopiert.

Die Story funktioniert nach klassischem Muster: Ein Paar, im Beruf absolut professionell, im privaten Umgang miteinander ungeschickt, findet sich erst nach heftigen Turbulenzen und grotesken Abenteuern. Er, Redford, ist ein New Yorker Top-Staatsanwalt; sie, gespielt von Debra Winger, eine ehrgeizige Anwältin, seine Konkurrentin im Gerichtssaal. Daryl Hannah als verrückte junge. Künstlerin und blondes Gift und eine Jagd nach verschwundenen wertvollen Gemälden bringt die Anwälte einander näher. Aber wirklich nahe kommen sie sich erst, nachdem sie eine Explosion vor Manhattans Skyline ins Wasser geschleudert hat; wenig später hat dann Debra Winger Heftpflaster im Gesicht, und Redford darf, als er sie sieht, naß und zerschunden, kurz zärtlich sein – noch sollen die beiden nicht zusammenkommen, sie müssen erst durch ein prächtiges Feuer.

Das Drehbuch des Films ist oft zu hopplahopp, zu oberflächlich schlagfertig, so daß man dem Krimiplot manchmal eher verwirrt und zweifelnd folgt. Aber dafür entschädigt eine smarte Inszenierung, die in die Comic-Flottheiten eine Menge origineller und subtiler Nuancen bringt. Das Single-Leben moderner New Yorker ist wunderbar komisch beobachtet: Wie Robert Redford und Debra Winger in ihren Appartements, jeder für sich, eine schlaflose Nacht verbringen, gehört zu den Glanzstücken. Er entpuppt sich vor dem Fernsehapparat, wo "Singin’ in the Rain" läuft, als einsamer, spaßiger Meister des Stepptanzes, während sie, essend, lesend, verschlampend, ihr Zimmer allmählich in einen Saustall verwandelt.

Reitmans Film ist – heute eine Seltenheit – vor allem ein Schauspielerfilm: Man spürt die Power der drei Hauptdarsteller. Redford, der sich hier deutlich sehr viel wohler fühlt als in "Jenseits von Afrika", begeistert durch seinen trockenen Humor; etwas ansteckend Lässiges und Gutlauniges geht von ihm aus. Debra Winger und Daryl Hannah, zwei ungewöhnliche neue Hollywoodschönheiten, stehen dem Altstar an Können in nichts nach,’ sie geben ihm erst die richtige Politur. Voller Energie rennen sie gegen Redford an; letztlich natürlich nur, um sich an ihn anzuschmiegen, und er wirkt dabei wie eine Mischung aus einem Punchingball und einem Teddybären.

Siegfried Schober

"Auf immer und ewig" von Christel Buschmann