Untersuchungen zur wirtschaftlichen Situation der Entwicklungsländer, die regelmäßig von der Weltbank und anderen Organisationen der Vereinigten Nationen durchgeführt werden, belegen seit langem, daß sich die Armut insbesondere auf die ländlichen Gebiete konzentriert. Etwa eine Milliarde Menschen in der Dritten Welt, so wird heute geschätzt, lebt in absoluter Armut. Diese Menschen werden einzig und allein von den elementaren Bedürfnissen des Überlebens ins Anspruch genommen (Bericht der Nord-Süd-Kommission). Der überwiegende Teil dieser Menschen lebt als Selbstversorger oder ist in Berufen tätig, die weitgehend von der Landwirtschaft abhängen.

Eine Lösung der existentiellen Probleme dieser verarmten ländlichen Massen erscheint langfristig nur möglich, wenn es gelingt, auch sie in Bildungs- und Ausbildungsmaßnahmen einzubeziehen. Die Erkenntnis, daß eine Verbesserung des Bildungs- und Ausbildungsangebots auf dem Lanneu. Bereits im Weltentwicklungsbericht aus dem Jahre 1982 wird darauf verwiesen, daß Bauern mit einer mindestens sechsjährigen Grundschulbildung bis zu 25 Prozent höhere Erträge erzielen als Bauern ohne entsprechende Schulbildung. Doch bedarf es überhaupt eines solchen Hinweises? Es ist eine längst bekannte Tatsache, daß Qualifikationsmangel und Armut stets Hand in Hand gehen. Die Armut in der Dritten Welt ist letztlich nur das weithin sichtbare Zeichen dieses Qualifikationsmangels.

Entmutigendes Fazit

Welche Anstrengungen wurden bisher unternommen, um diesem Qualifikationsmangel zu begegnen? Seit mehr als dreißig Jahren unterstützt die Bundesregierung gewerbliche und ländliche Ausbildungsprojekte in der Dritten Welt mit dem Ziel, die Chancen für eine Entwicklung im wirtschaftlichen, sozialen, aber auch im kulturellen und politischen Bereich zu verbessern. Das Fazit, das sich aus den bisherigen Bemühungen ziehen läßt, ist eher entmutigend.

Mindestens vierzig Prozent der Bevölkerung sind sowohl von nationalen als auch von internationalen Entwicklungshilfeanstrengungen unberührt geblieben. Entwicklung auf breiter Front kann also nur in Gang kommen, wenn auch auf dem Lande das potentielle technische Know-how vergrößert wird. Die internationale Ausbildungshilfe erreicht, wenn es hoch kommt, jedoch nur fünf Prozent der Jugendlichen in den Entwicklungsländern. Der Rest, also 95 Prozent, wächst ohne eine entsprechende Ausbildung heran. Diese Jugendlichen sind dazu ausersehen, sich in das Millionenheer der bildungsmäßig benachteiligten und unzureichend qualifizierten Landarbeiter einzureiben. Entwicklungspolitisches Ziel müßte es folglich sein, auch diesen in stadtfernen Gebieten lebenden Jugendlichen eine entsprechende Ausbildung zukommen zu lassen.

Seit 1980 verfolgt die Bundesregierung eine grundbedarfsorientierte Entwicklungspolitik. Entwicklungshilfevorhaben werden seither vorrangig danach beurteilt, in welchem Maße sie dazu beitragen, Grundbedürfnisse der betroffenen Bevölkerung zu erfüllen. Dieses Konzept hat bis heute zahlreiche Hinweise dafür geliefert, daß Programme zur Nahrungsversorgung, Gesundheitsversorgung beziehungsweise zur Versorgung der Bevölkerung mit einwandfreiem Trinkwasser einen entscheidenden Beitrag dazu leisten können, die Lebensbedingungen im ländlichen Raum zu verbessern. Eine Absicherung dieser Entwicklungsstrategie ließe sich insbesondere durch Ausbildungsmaßnahmen erreichen, die einen direkten Beitrag zur Erfüllung von Grundbedürfnissen leisten.