Von Rudolf Kahlen

Der nächste Winter kommt bestimmt. Und ebenso sicher wissen die Rumänen, daß sie wieder bibbern müssen. Denn wehe dem, der in den eigenen vier Wänden für wohlige Wärme sorgen will. Das verbieten die staatlich angeordneten Energiesparmaßnahmen. Über zwölf Grad darf nämlich nicht aufgeheizt werden. Düster bleibt es auch. Eine Glühbirne pro Raum ist erlaubt, mehr als vierzig Watt Leistung sollte sie allerdings nicht hergeben. Heißwassergeräte, Kochplatten und Heizstrahler dürfen morgens und abends nicht eingeschaltet werden, Kühlschränke sind in der kalten Jahreszeit auszuschalten.

Ähnlich strikte Anweisungen zum Stromsparen gelten in Fabriken und Büros. Zur Arbeit kommen die Rumänen morgens am besten zu Fuß, denn der Busverkehr wird mit dem ersten Schneefall stark eingeschränkt, die Anfahrt mit dem eigenen Dada gar gänzlich verboten.

Wer sich abends außer Haus vergnügen will, dem bleibt dazu wenig Zeit. Kinos, Theater, Restaurants: sie alle schließen um neun. Und den Pelzmantel sollte man da wie dort nicht an der Garderobe aufhängen – die Raumtemperatur läßt kaum eine andere Wahl.

Nicolae Ceauşescu verlangt seinen Landsleuten nicht nur zur Winterzeit eine Menge ab. Den Gürtel enger schnallen, das fordert der rumänische Staats- und Parteichef immer wieder mal, wenn er während der zweistündigen Sendezeit des staatlichen Fernsehens auf dem Bildschirm erscheint. Ceauşescu meint das wörtlich. Jeder dritte Rumäne, so rechnete er einmal vor, sei übergewichtig.

Doch selbst Grundnahrungsmittel kriegt nur, wer stundenlang geduldig vor den Geschäften in der langen Schlange steht. Ob Brot oder Butter, Fleisch oder Früchte: es fehlt am Notwendigsten. Wie so vieles ist auch Benzin rationiert. Endlos lange Autoschlangen vor Tankstellen gehören zum Alltagsbild.

Das wird noch über Jahre hinweg so bleiben, trotz gesunkener Ölpreise. Denn Ceauşescu hält eisern an seinem Ziel fest: Die Auslandsschulden müssen innerhalb von zwei, höchstens drei Jahren bis auf den letzten Pfennig zurückgezahlt sein. Die Rumänen stehen derzeit mit rund zwölf Milliarden Mark beim Westen in der Kreide. Der „glanzvolle Führer“, wie ihn die Parteizeitungen nennen, fühlt sich denn auch abhängig von der westlichen Welt. Und das soll möglichst schnell anders werden.