Die Franzosen müssen im Außenhandel noch eine Menge dazulernen

Von Roger de Weck

Frankreichs junger Außenhandelsminister Michel Noir hat viel Charme. Und er will die Deutschen "verführen", wieder mehr französische Produkte zu kaufen. Der Minister faßte sogar einen "Verführungsplan", den er Mitte Oktober anläßlich eines Besuchs in Köln offenlegen will. Doch beim besten Willen wird es ihm nicht so bald gelingen, das riesige Defizit Frankreichs im Handel mit der Bundesrepublik zu verringern.

Es sind dramatische Außenhandelsziffern. Von 1980 bis 1985 betrug das Handelsdefizit gegenüber der Bundesrepublik jährlich im Durchschnitt 27 Milliarden Francs, rund neun Milliarden Mark. Nur im Nahrungsmittelbereich vermögen die französischen Exporteure jeweils einen Überschuß zu erzielen, sonst strotzen ihre Statistiken vor Minuszeichen. Auch 1986 wird für die Franzosen ein schwieriges Deutschlandjahr.

Knapp fünfzehn Prozent aller französischen Exporte gehen in die Bundesrepublik und 16,5 kommen daher. Die Deutschen sind Frankreichs beste Kunden und wichtigste Lieferanten. Also kein Grund zur Klage? Doch, denn das Ungleichgewicht im deutsch-französischen Handel macht dem Minister Michel Noir – wie schon all seinen Vorgängern – schwer zu schaffen.

Alles wäre halb so schlimm, wenn der französische Außenhandel blühte. Aber das ist nicht der Fall. Lediglich ein Fünftel des Bruttosozialproduktes gehen in den Export. Von Jahr zu Jahr muß Frankreich kämpfen, damit sich sein Handelsbilanzdefizit in Grenzen hält. Und die Bundesrepublik ist – vor den Niederlanden und Japan – der größte "Defizitverursacher". Deshalb bläst die Regierung in Paris wieder einmal zum Angriff auf den deutschen Markt und will etlichen Unternehmern helfen, ihre Deutschlandscheu zu überwinden.

Trügerische Hoffnung