Bis 1990 will China Unterkünfte für dann fünf Millionen ausländische Touristen schaffen. In wohl keinem Land der Erde wächst der Fremdenverkehr so rasant wie im „Reich der Mitte“.

Als sich die Volksrepublik China nach der Kulturrevolution wieder ab 1978 für ausländische Besucher öffnete, kamen im ersten Jahr ganze 250 000 Neugierige. Sieben Jahre später, 1985, waren es bereits 1,37 Millionen ausländische Touristen, nicht mitgerechnet jene 16 Millionen Auslandschinesen, vorwiegend aus Hongkong, Macao und Taiwan, die Verwandte und Bekannte in der Volksrepublik besuchten. Die Gästezahl aus der Bundesrepublik stieg ebenso rasant. 1980 leisteten sich gerade 14 000 Bundesbürger einen damals noch exklusiven Chinatrip. In diesem Jahr erwarten die dortigen Touristiker rund 50 000 deutsche Gäste.

„China will ein ganz großes Touristenland werden“, versichert Zhou Chengyi, Vizedirektor des seit zwei Jahren in Frankfurt bestehenden Fremdenverkehrsamtes der VR China. 1990, so sieht es der neue Fünfjahresplan vor, rechnen die Touristiker mit mindestens fünf Millionen Gästen aus aller Welt. Im selben Zeitraum sollen die Deviseneinnahmen aus dem Fremdenverkehr von jetzt 1,2 auf dann mindestens drei Milliarden US-Dollar ansteigen.

Die momentane Hotelkapazität, rund 700 Touristenhotels mit etwa 242 000 Betten, reicht dafür natürlich nicht mehr aus. Deshalb beinhaltet der Fünfjahresplan gleichzeitig gigantische Hotelbauprojekte. Allein in Peking sind zur Zeit 80 Hotels mit 60 000 Betten in Vorbereitung oder schon im Bau. Weitere 30 Hotels werden in Shanghai geplant und gebaut. Und in den übrigen Regionen des Landes entstehen noch einmal 30 Hotels mit rund 52 000 Betten.

Die Investitionskosten für die Erweiterung der Hotelinfrastruktur brauchen die Chinesen längst nicht mehr allein aufzubringen. Nachdem sich erste, zu Beginn der achtziger Jahre dort von Ausländern gebaute Hotels zum Bombengeschäft entwickelt haben, stehen internationale Hotelleriegesellschaften Schlange. Konkrete Verträge sind beispielsweise mit Meridien, Hilton, Sheraton und der Hongkonger Portman-Penisula-Gruppe unterzeichnet.

Daß mit dem Ausbau der Hotellerie gleichzeitig auch eine Erweiterung des übrigen Angebotes einhergehen wird, steht für den Frankfurter Vizechef Zhou Chengyi außer Frage. China, das anfangs nur in wenigen Zentren und in fest organisierten Gruppen bereist werden konnte, hat mittlerweile 274 Ortschaften für den Fremdenverkehr erschlossen.

Für 30 davon, etwa in Tibet, sind noch besondere Reisegenehmigungen erforderlich. Was auf den ersten Blick bürokratisch erscheinen mag, ist allerdings in der Praxis kaum noch reglementiert. Selbst rucksackreisende Weltenbummler können das Reich der Mitte seit einiger Zeit völlig frei, in eigener Regie durchstreifen – sofern sie mit den Sprachbarrieren und der in abgelegenen Regionen kaum vorhandenen Infrastruktur zurechtkommen.