Von Hartmut Blank

Verstohlener Blick auf den Katasterplan 1 zu 5000: – ah: hier bin ich: Die ,Schloßapotheke‘, Steinbau verputzt: „Äh-könn’ Sie mir vielleicht sagen...?“:“

Na klar: Können wir. Wir sind in Ahlden, einem beschaulichen Nest südöstlich von Verden und südlich von Fallingbostel. Aber merkwürdig ist das schon, zum erstenmal in einem Ort zu sein, der einem so vertraut ist, als hätte man in ihm schon viele Jahre gelebt.

Das Zitat stammt aus dem Werk „Das steinerne Herz“ von Arno Schmidt, wo der Ich-Erzähler und Sammler, in Ahlden angekommen, seine Fundgrube sucht. Ein „Historischer Roman aus dem Jahr 1954“, der vor 30 Jahren erschienen ist. Damals war Ahlden ein stiller Flecken am Rande der Lüneburger Heide, umgeben von fast seestillen Wassern wie Aller und Alte Leine, die auf dem flachen Land nicht recht zu wissen scheinen, wohin sie fließen sollen.

Die meisten Kritiker zeigten sich ratlos und wußten kaum, was sie von dem historischen Roman halten sollten. Ohnehin gab es das Werk nur in einer verstümmelten Form.

Ahlden liegt immer noch in freundlicher Keuschheit fast unbeachtet abseits der touristischen Zentren der Lüneburger Heide. Fast hat es den Anschein, als wäre die Zeit stehengeblieben. Ein Ort inmitten einer Landschaft, die eine mittelalterliche Heiterkeit ausstrahlt, die einlädt zum Wandern oder Radeln oder auch zu Kutschfahrten.

Am Schlenkteich, den die Aller bildet, nisten Reiher, und die Eichen, die am Ufer wachsen, sind wohl 400 Jahre alt. Hinter der Bahnlinie führt ein Sandweg durch Heidekraut und Wacholdersträucher. Hinterm Schloß in Richtung Büchten geht es durch sattgrüne Wiesen, auf denen Kühe in Halbtrauer weiden. Das Schloß ist fast zugewachsen. In seinem Innern spielen wesentliche Teile aus Schmidts Buch. Die Prinzessin Sophie Dorothea büßte darin einen Seitensprung mit zweiunddreißig Jahren Haft.