Olympische Sommer- und Winterspiele sollen künftig nicht mehr im selben Jahr ausgetragen werden. Dies beschloß das Internationale Olympische Komitee (IOC) in Lausanne.

In ihrem Bemühen, den Reibach unter den fünf Ringen zu mehren, scheuen die Verwalter der olympischen Idee nicht davor zurück, die eigene Tradition über Bord zu werfen. Mit überwältigender Mehrheit – 78 gegen zwei Stimmen bei fünf Enthaltungen – stimmten die IOC-Mitglieder einem Antrag zu, der im Interesse einer leichteren Vermarktung den vierjährlichen Turnus der Winterspiele von dem der Sommerspiele trennt. 1992 werden die Spiele zum letzten Male in einem Jahr stattfinden; schon 1994 soll es dann, um zwei Jahre versetzt gegenüber dem Termin der Sommerspiele, die nächsten Winterspiele geben.

Das IOC verspricht sich von der neuen Regelung ein größeres Eigengewicht der Winterspiele und damit noch größere Einnahmen vor allem aus dem Verkauf der Fernsehrechte. Die nicht zuletzt von IOC-Präsident Juan Antonio Samaranch befürwortete Entscheidung liegt im Trend einer auch vom IOC selbst immer stärker vorangetriebenen Kommerzialisierung.

Da die olympischen Fanfaren demnächst alle zwei Jahre ertönen werden, kann von einer Olympiade im klassischen, griechischen Sinne – dem vierjährigen Zeitabschnitt zwischen zwei Spielen – dann nicht mehr die Rede sein. Spötter sehen am Horizont bereits die Frühjahrs-, Sommer-, Herbst- und Winterspiele.

A.B.