Umweltbelastungen durch Naherholung und Urlaubsreiseverkehr sorgen für Diskussionsstoff. Auch der Starnberger Studienkreis für Tourismus (SfT) hat sich des Problems angenommen: „Umwelt und Reisen“ war Schweipunktthema in der 1985er Reiseanalyse.

Seit Mitte der siebziger Jahre wurde vielerorts zunehmend Unmut laut, der wachsende Tourismus zerstöre die Landschaft. Urlauber bemängelten, sie könnten sich nicht in einer Umgebung erholen, die von saurem Regen belastet ist, in der sich giftige Müllkippen befinden oder verschmutztes Wasser zum Himmel stinkt. Daß aber zwischen „intensiver Freizeitnutzung“ und Umweltschäden ein Zusammenhang besteht, machen sich die meisten nicht klar;

Wenn Deutsche reisen, sind vielen, laut der SfT-Analyse, „Natur und Landschaft“ wichtig. Dementsprechend erwarten sie in erster Linie vom Urlaubsgebiet, daß es „landschaftlich schön gelegen ist“; sie wollen „nicht überall auf Unrat blicken müssen“, möchten durch „keinen Lärm“ gestört werden, sich durch „keine Industrieanlagen“ den Ausblick versperren lassen und erwarten „unberührte Natur“. Dann erst wird der Wunsch nach einem „abwechslungsreichen Urlaubsort“ genannt.

Nicht etwa an „modernen Kläranlagen“, sondern an einer „sauberen Unterkunft“ ist deutschen Urlaubern der Umfrage zufolge besonders viel gelegen. Es kommt jedoch auch darauf an, wohin die Reise geht: Skandinavien- und Ostsee-/Nordseeurlauber schätzen beispielsweise besonders „ein typisches Landschaftsbild“; einen „nicht überlaufenen Ferienort“ ziehen Frankreich- und Österreich-Reisende vor; Spanienurlauber betonen deutlich häufiger, daß sie Wert auf „die Reinigung von Stränden und Wegen“ legen.

Nutzen die Urlauber das „Naturangebot“ der Ferienorte überhaupt aus? Die Mehrzahl der Befragten erkundet in den Ferien „den Ort zu Fuß“, „beobachtet Sonnenauf- oder -Untergänge“ und „photographiert Natur“. Nur selten konnten oder wollten sie allerdings „am Fluß entlang wandern“, „Waldlehrpfade begehen“ oder gar „naturkundliche Vorträge anhören“.

Schäden an Natur und Landschaft bleiben nicht allen Urlaubern verborgen: Etwa ein Drittel der deutschen Reisenden hat 1985 während der letzten „Haupturlaubsreise“ Umweltprobleme im Feriengebiet bemerkt. Besonders häufig wurden Abfälle am Meer oder an anderen Gewässern sowie im Wald moniert. Beklagt wurden auch „verschmutzte Straßen“, „unschöne Bauwerke“ und „Lärm am Urlaubsort“. Es hängt jedoch auch vom Urlaubsziel ab, ob Umweltprobleme wahrgenommen werden: In Deutschland fallen diesbezüglich vor allem die Gebiete an Nord- und Ostsee, im Ausland Jugoslawien, Frankreich und Griechenland auf. Wer im Urlaub nach Österreich reist, bemerkt Umweltschäden weitaus seltener.

Auf die Frage, ob es in den letzten drei Jahren schon einmal vorgekommen ist, daß ein Urlaubsgebiet wegen Umweltproblemen gemieden wurde, antworteten etwa 88 Prozent der Befragten mit „nein“. Der Prozentsatz derjenigen, die wegen vermuteter Schäden an Natur und Landschaft ein bestimmtes Urlaubsziel mieden, war also relativ klein: Doch haben immerhin noch rund 1,3 Millionen Menschen (das entspricht etwa drei Prozent) die Frage bejaht. Bei der Interpretation dieses Umfrageergebnisses darf freilich nicht vergessen werden, daß eine nicht intakte Ferienregion als Urlaubsziel ohnehin nicht in Frage kommt.

Hella Leißner